Als unsere Vorfahren einst die Sprache erfanden, dürften sie eines gleich mit geschaffen haben: die peinliche Gesprächspause, jenen quälenden Moment unangebrachter Stille. Da sitzen sie ums Feuer, zwei Eiszeitjäger, unterwegs auf einem Beutezug, haben den mitgebrachten Proviant gerade verzehrt – und finden, es wäre dringend angebracht, etwas zu sagen. Doch keiner weiß so recht, was. Also wird geplappert.
Zigtausend Jahre später das gleiche Bild: Was bringt uns dazu, bei so vielen Gelegenheiten lieber Nichtigkeiten von uns zu geben, anstatt tatsächlich Relevantes zu besprechen – oder eben nichts zu sagen? Das großartige Werkzeug der Sprache, unsere Wunderwaffe zum Austausch von Gedanken und Informationen – missbraucht für leeres Palaver? Irrtum, glauben viele Sprachforscher, die in der sozialen Beziehungspflege den eigentlichen Sinn und Zweck unseres Sprachtalents erblicken. Das fast körperliche Unbehagen, das uns Momente der Sprachlosigkeit bereiten, zeigt, wie tief in uns das Bedürfnis wurzelt, zu reden, zu plaudern, zu grüßen oder sich anderweitig mitzuteilen …