Zahlreiche Schwertfunde in Dänemark belegen, dass man dort im 4. Jahrtausend v. Chr. die Kunst süddeutscher Bronzeschmiede kannte und schätzte. Im Zuge des Fernhandels dürften insbesondere Angehörige der Oberschicht weit mobiler gewesen sein, als man es lange für die Bronzezeit annahm – da sind sich die Experten einig. Doch Artefakte allein verraten wenig über die Routen. Daher kommen zunehmend naturwissenschaftliche Methoden wie die Isotopenanalyse von Geweberesten ins Spiel.

Eine Spezialistin auf diesem Gebiet ist Karin Frei, leitende Wissenschaft­lerin des Dänischen Nationalmuseums, die jüngst in Zusammenarbeit mit der Kopenhagener Universität das "Egtved-Mädchen" genauer untersuch­te. Diese 16- bis 18-Jährige ist vor etwa 3400 Jahren gestorben und in einem monumentalen Grabhügel nahe der heutigen Stadt Egtved auf der dänischen Halbinsel Jütland bestattet worden. Kleidung und andere Attribute verraten, dass sie der Elite angehört hat. Möglicherweise war sie eine Priesterin. Doch stammte sie überhaupt von Jütland?

Das in den Überresten von Lebe­wesen enthaltene Strontium (Sr) sollte darüber Aufschluss geben. Über Wasser und Nahrung gelangt das Erdalkalimetall in Pflanzen und Tiere, wo es an Stelle von Kalzium in Körpergewebe eingebaut wird. Strontium kommt aber in mehreren Atomvarianten vor, die sich in ihrer Neutronenzahl im Atomkern, also in ihrem Atomgewicht, unterscheiden und deshalb mit Hilfe eines Massenspektrometers separiert und identifiziert werden können. Der besondere Wert für Anthropologie und Archäo­logie rührt daher, dass die Anteile der Strontiumisotope in einer Region von deren Geologie abhängt. Insbesondere das Verhältnis von 86Sr zu 87Sr kann helfen, den Aufenthaltsort eines Lebewesens in einem bestimmten Zeitintervall durch einen Vergleich mit entsprechen­den Bodenproben zu bestimmen. …