Im Alter leidet oft die Qualität des Schlafs: Senioren liegen länger wach, schlafen meist wesentlich leichter und wachen häufiger auf als jüngere Personen. Was sich in den Augen mancher bereits an der Grenze zu einer waschechten Schlafstörung bewegt, könnte allerdings aus evolutionärer Sicht durchaus einmal sinnvoll gewesen sein, argumentieren nun Forscher um David Samson von der Duke University in Durham (USA).

Die Wissenschaftler begleiteten über 20 Tage und Nächte hinweg 33 Männer und Frauen der Hadza, einer Volksgruppe in Tansania, deren Mitglieder immer noch traditionell als Jäger und Sammler leben. Da die Hadza weder über elektrisches Licht noch über Klimaanlagen verfügen, sondern nachts in Gruppen von 20 bis 30 Personen auf dem Boden im Freien oder in einfachen Hütten ruhen, könne man bei ihnen noch ein recht ursprüngliches menschliches Schlafverhalten beobachten, erklären die Forscher.

Samson und seine Kollegen entdeckten, dass die Hadza selten alle gleichzeitig ruhten. Während manche von ihnen schon um 20 Uhr die Augen zumachten und morgens entsprechend früh auf waren, schliefen andere erst nach 23 Uhr ein und wachten nicht vor 8 Uhr auf. Für diese verschobenen Schlafmuster waren vor allem ältere Probanden verantwortlich, die regelmäßig zeitig zu Bett gingen und auch als Erste wieder auf den Beinen waren. Zudem wachten sie in der Nacht häufiger auf und wälzten sich hin und her – oder sie standen auf und rauchten oder kümmerten sich um schreiende Kleinkinder.

Insgesamt, so konnten die Forscher beobachten, sorgten die gegeneinander verschobenen Schlaf- und Wachphasen dafür, dass fast die gesamte Zeit über irgendjemand wach war. Von 220 Stunden, die die Wissenschaftler die Hadza analysierten, waren nur während 18 davon alle Probanden tief und fest am Schlafen. Samson und seine Kollegen glauben, dass dies auch der Grund dafür ist, warum die Hadza nachts keine Wachen aufstellen müssen. Denn wenn Gefahr im Verzug ist, kann ohnehin immer jemand die Gruppe warnen. Davon haben möglicherweise auch unsere Vorfahren profitiert, die lange Zeit ähnlich lebten wie die Jäger und Sammler aus Tansania, argumentieren die Forscher.

Das könnte ein neues Licht auf die Schlafprobleme werfen, unten denen heute zahlreiche ältere Menschen leiden. "Viele der Betroffenen beklagen sich bei ihrem Arzt darüber, dass sie so früh aufwachen und dann nicht mehr einschlafen können", sagt Koautor Charles Nunn, ebenfalls von der Duke University. "Aber vielleicht ist tatsächlich alles in Ordnung mit ihnen. Möglicherweise sind diese Schlafmuster nur ein Überbleibsel aus unserer evolutionären Vergangenheit, in der sie uns einen Vorteil beschert haben."