Tausende bislang unbekannte, kilometerhohe Berge ragen vom Meeresboden auf. Das ist eines der Ergebnisse, die David Sandwell von der amerikanischen Scripps Institution of Oceanography und seine Kollegen nun vorlegen. Die Forscher haben Tiefseekarten mit nie dagewesenem Detailreichtum erstellt.

Hierfür griffen die Wissenschaftler auf hochgenaue Daten zweier Satelliten zurück: des europäischen CryoSat-2 und des amerikanischen Jason-1. Beide sind eigentlich für andere Aufgaben ausgelegt. CryoSat-2 verfügt als wichtigstes Instrument über ein spezielles Radargerät, um kontinentale Eismassen sowie die Meeresoberfläche in der Antarktis abzutasten. Jason-1 ist ebenfalls mit einem Höhenmessradar ausgestattet – allerdings besteht seine Hauptfunktion darin, den Meeresspiegel, die Wellen und Strömungen von tropischen Meeren zu überwachen. Jedoch lassen sich aus den altimetrischen Messdaten beider Satelliten auch Höhenprofile des Meeresbodens erstellen, da sie Schwankungen im irdischen Gravitationsfeld widerspiegeln, welches von der lokalen Dicke der Erdkruste abhängt.

Die mindestens einen Kilometer hohen Unterseeberge seien die "häufigste Oberflächenform der Erde", kommentiert Sandwell die Ergebnisse seines Teams. Die neuen Tiefseekarten enthüllen aber noch weitere Strukturen, etwa einen aktiven Grabenbruch im Südatlantik sowie eine früher aktive Zone im Golf von Mexiko, in der sich vor Jahrmillionen der Meeresboden spreizte und die angrenzenden Erdplatten auseinanderschob. Heute ist diese Zone unter dicken Sedimentschichten verborgen. Mit Hilfe der Daten können die Wissenschaftler zudem die Tiefe der Ozeane flächendeckend abschätzen. Bislang war diese für weniger als die Hälfte des Meeresbodens aus Lotmessungen bekannt.