"Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben", soll Albert Einstein angeblich gesagt haben. Tatsächlich sind global 35 Prozent der Nutzpflanzen auf Bestäubung durch ­Insekten angewiesen oder erzielen dadurch höhere Erträge. Deshalb alarmieren die seit Jahren weltweit abnehmenden Populationen von Honig- und vielen Wildbienenarten Forscher und Politiker. Andere Insektengruppen erhalten in dieser "Bestäuberkrise" weniger Aufmerksamkeit – offenbar zu Unrecht, wie nun eine weltweite Studie zeigt, an der einer von uns, Frank Jauker, beteiligt war. Er beobachtet schon seit Langem Schwebfliegen und Bienen auf Rapsfeldern nördlich von Frankfurt am Main.

Im Frühjahr 2013 nahm die Öko­login Romina Rader von der australischen University of New England in Armidale mit rund 50 weiteren Forschern Kontakt auf, um für 20 wichtige Kulturpflanzen weltweit erstmals den Beitrag anderer Insekten zur Bestäubung zu ­berechnen. Die an der Kollaboration ­beteiligten Wissenschaftler trugen 39 Datensätze von insgesamt 480 Feldern auf fünf Kontinenten zusammen. Dafür hatten sie erfasst, wie oft Mitglieder verschiedener Insektengruppen die Pflanzen besuchen und wie gut sie dabei die Blüten befruchten. Unter diesen waren neben Bienen auch Fliegen, Käfer, Ameisen, Schmetterlinge, Wespen und andere.

Es zeigte sich, dass beispielsweise für Kaffee und Wassermelone vor allem verschiedene Bienen wichtig sind, während etwa Mango oder Möhre von den übrigen Arten stark profitieren (siehe Grafik unten). Hochgerechnet waren die "Nichtbienen" für fast 40 Prozent der Blütenbesuche verantwortlich. Demnach erwies sich diese Gruppe aufs Ganze gesehen als genauso fleißig wie Honigbienen und übertraf sogar die Wildbienen, die gut 20 Prozent der Besuche tätigten. …