Wer sich niedergeschlagen fühlt, kann sich weniger an den schönen Dingen des Lebens erfreuen. Aber lässt er sich auch von negativen Kommentaren eher die Stimmung vermiesen? Das untersuchten die Psychologin Julia Reichenberger und ihre Kollegen von der Universität Salzburg. Sie konfrontierten 84 Studierende mit Videoaufnahmen: Mal sprach ein Schauspieler positive Kommentare in die Kamera ("Du bist toll!"), mal negative ("Ich hasse dich!"), und mal äußerte er sich neutral. Die Versuchspersonen sahen Dutzende dieser drei Sekunden langen Clips und protokollierten anschließend jedes Mal, wie sie sich dabei gefühlt hatten. Des Weiteren gaben sie Auskunft darüber, wie sie generell auf positive oder negative Bewertungen reagierten und wie sehr sie derzeit unter verschiedenen depressiven Beschwerden litten.

Teilnehmer, die Anzeichen einer Depression hatten, freuten sich weniger über Lob und Komplimente. Doch sie fühlten sich von den negativen Kommentaren nicht stärker belastet als die übrigen Teilnehmer. Dies bestätige frühere Befunde, denen zufolge Depressive vor allem weniger stark auf positive Erfahrungen reagieren, so Reichenberger. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Probanden, die angaben, derlei Nettigkeiten grundsätzlich schlecht ertragen zu können. Diese "Angst vor positiver Bewertung" plagt laut Reichenberger viele Menschen mit einer Depres­sion, denn ein offenes Lob stehe im Widerspruch zu den massiven Selbstzweifeln, die viele Betroffene hegen. Damit sie sich wieder über Komplimente freuen können, gelte es die dahinterliegenden Ängste und Befürchtungen zu behandeln.