Für die Permafrostexperten bei der Internationalen Klimakonferenz 2012 in Katar konnte der Kontrast zwischen dem Verhandlungsgegenstand und den Bedingungen vor Ort kaum krasser sein. Bei Temperaturen bis 30 Grad Celsius im Schatten debattierten sie über den Zustand der dauerhaft gefrorenen Böden in der Arktis und den Hochgebirgen. Das Abschlussdokument, ein Appendix des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), appelliert an die Regierungen, die Permafrostgebiete und deren Wandel infolge der Erderwärmung stärker in die jeweilige Forschungs- und Umweltpolitik einzubeziehen.

Tatsächlich könnte, wenn bei steigenden Temperaturen die Permafrostböden weiträumig auftauen, der seit dem Beginn des Eiszeitalters darin gespeicherte Kohlenstoff durch Mikroben in die Treibhausgase Methan und Kohlendioxid umgewandelt werden. Dabei droht ein Teufelskreis, weil Emission und Erwärmung sich womöglich gegenseitig aufschaukeln.

Das sorgte in der Vergangenheit teils für dramatische Schlagzeilen in den Medien. Da war etwa von der "Methanbombe" die Rede, die hochzugehen drohe. Auch manche Wissenschaftler schürten derlei Ängste. So publizierten zwei Ökonomen und ein Meeresphysiker noch im Juli 2013 in der Fachzeitschrift "Nature" eine Abschätzung des wirtschaftlichen Schadens, der entstünde, wenn das im submarinen Permafrost gespeicherte Methan entweichen würde. Dabei unterstellten sie einen Ausstoß von 50 Gigatonnen des Gases zwischen 2015 und 2025. In einer Stellungnahme bezeichneten 15 Experten der bedeutendsten mit Methanemissionen befassten Institute, einschließlich des U.S. Geological Survey, diesen Wert allerdings als unrealistisch hoch, weil er um zwei Zehnerpotenzen über dem durchschnittlichen Ausstoß von Methan seit dem Ende der Eiszeit liege. …