Wer "untenrum" völlig gesund ist und nicht gerade Medizin studiert, dem wird eher nicht danach gelüsten, ein Buch über Urologie zu lesen. Und wer auf einer Party erzählt, dass er eine urologische Praxis betreibt, dürfte kaum zum Frauenschwarm avancieren. Der Urologe Volker Wittkamp jedenfalls ist davon überzeugt, dass allenfalls die Kollegen von der Proktologie – der Lehre von den Erkrankungen des Mastdarms – es noch schwerer haben, nach erfolgter Berufsauskunft einen viel versprechenden Smalltalk zu führen. Urologen, so Wittkamps nüchterne Bestandsanalyse, haben nun einmal ein gesteigertes Interesse an allem, was irgendwie mit Urin in Kontakt kommt. Und das sind in der Regel sehr intime Regionen, die häufig mit Ekel assoziiert werden. Darüber ebenso informativ wie unterhaltsam zu schreiben, ist alles andere als einfach. Wittkamp ist es gelungen.

Der Autor, Jahrgang 1983, arbeitet seit fünf Jahren als Assistenzarzt an einem Krankenhaus in Bergisch Gladbach und steht kurz vor dem Abschluss seiner Facharztprüfung. Dass er sich als Indie-DJ sowie als Kolumnist "Doc Intro" bei der gleichnamigen Musikzeitschrift bereits einen Namen gemacht hat, merkt man diesem wunderbar locker geschriebenen Buch an. "Indie" steht für "Independent". Ein Indie-DJ legt also bevorzugt Musik auf, die nicht vom zeitgenössischen Geschmack abhängt und gern neue, eigenwillige künstlerische Wege geht. Das ist gewiss keine schlechte Vorschule, um über den urologischen Alltag mit etwas mehr Schwung als üblich zu berichten. …