Zu wenig Schlaf macht bekanntlich müde – doch nicht nur das: Ungünstige Schlafgewohnheiten wirken sich sogar auf die psychische Gesundheit aus. Schon länger ist beispielsweise bekannt, dass eine enge Verbindung zwischen Schlafstörungen und Depression besteht. Einer neuen Untersuchung zufolge ist das Schlafverhalten aber auch für andere seelisch erkrankte Patienten wichtig. Denn ein spätes Zubett­gehen verschlimmert offenbar auch die Symptome einer Zwangsstörung.

Psychologen um Jessica Schubert von der Binghamton University baten 30 Probanden, eine Woche lang einen Bewegungssensor zu tragen und ausführlich über ihr Schlafverhalten und über Zwangssymptome Buch zu führen. Zwei Drittel der Teilnehmer hatten eine ärztlich diagnostizierte Zwangsstörung, der Rest gab an, unter einigen Symptomen der Erkrankung zu leiden. Ergebnis: Je später sich die Versuchspersonen abends schlafen legten, als desto geringer empfanden sie am nächsten Tag ihre Kontrolle über quälende Gedanken und ritualisierte Handlungen. Wie gut sie ihre Symptome am Tag zuvor im Griff gehabt hatten, spielte dagegen keine Rolle.

Müdigkeit führe dazu, dass wir unsere Gedanken schlechter fokussieren und unser Verhalten weniger im Zaum halten können, erläutern die Autoren. Bei Zwangspatienten äußere sich dies in einer geringeren Kontrolle über obsessive Gedanken und Handlungen. Daher sei für sie eine gute "Schlafhygiene" besonders wichtig. Frühere Studien hatten bereits ergeben, dass Zwangspatienten, die zugleich an einer Störung des Schlaf-wach-Rhythmus leiden, ausgeprägtere Symptome zeigen und schlechter auf eine Therapie ihrer Zwänge ansprechen. Bislang war aber unklar, ob Schlafmangel eine ursächliche Rolle spielt.