Als Neil deGrasse Tyson 1991 an der Columbia University in New York seinen Doktortitel in Astrophysik erhielt, gab es in den Vereinigten Staaten etwa 4000 Astrophysiker. Darunter waren gerade einmal sechs Afroamerikaner – Tyson erhöhte diese Zahl auf sieben. Mittlerweile ist er einer der beliebtesten Wissenschaftskommunikatoren in den USA, erfolgreicher Sachbuchautor und Fernsehmode­rator. Für viele Wissenschaftsfans im Internet avancierte er zur regelrechten Kultfigur.

Tyson war dieser Erfolg nicht in die Wiege gelegt. Sein Vater ist Afroamerikaner, seine Mutter stammt aus einer puerto-ricanischen Einwande­rerfamilie in New York. "Die Gesellschaft rechnete mit meinen wissenschaftlichen Fehlern, aber meine Erfolge schrieb sie anderen zu", erklärte er einmal bei einer Rede vor Studenten. Einen Großteil seines Lebens, so Tyson, habe er gegen Vor­behalte ankämpfen müssen – eine emotionale Belastung, die er nicht einmal seinen Feinden wünsche.

Der Wissenschaftler sprach damit offen aus, was viele Angehörige von Minderheiten erleben: Negative Vorurteile sind eine schwere psychische Bürde. Wer befürchtet, dass andere ihn als unterlegen oder minderwertig betrachten – ob in der Schule, im Beruf oder beim Sport –, hat oft Angst, auf genau jene Art und Weise zu versagen, mit der er das Klischee noch zementiert. So haben etwa die beiden einzigen Studentinnen in einem Seminar für höhere Mathe­matik wahrscheinlich die Sorge, in der Prüfung schlechter abzuschneiden als ihre männlichen Kommilitonen. Wenn das passiert, würden sie schließlich das Vorurteil bestätigen, dass Frauen mathematisch weniger begabt sind …