In langjährigen Partnerschaften lassen sich Phänomene dieser Art häufig beobachten: Sie merkt sich sämtliche Geburtstage im Familien- und Bekanntenkreis; er wiederum weiß genau, wann die Garantie des neuen Fernsehers abläuft.

Jeder verlässt sich hin und wieder auf das ­Gedächtnis von Partner, Freunden oder Familie. Wann immer wir neue Informationen erhalten, prägen wir uns nur bestimmte Fakten ein. Den Rest, so hoffen wir, werden sich schon die anderen merken. Falls wir einmal nicht mehr wissen, wie die neue Nachbarin heißt oder wie man eine Autobatterie wechselt, holen wir uns Rat von jemandem, der sich solche Informationen merkt.

Niemand braucht alles selbst im Kopf zu haben; es reicht zu wissen, wer zu welchem Thema Auskunft geben kann. Übertragen wir die Verantwortung für bestimmte Informationen an andere, sparen wir nicht nur Aufwand, sondern erweitern auch die Gedächtnisleistung der gesamten Gruppe. So bilden alle zusammen einen viel größeren Wissenspool, als es ein Einzelner je könnte.

Dieses "kollektive Gedächtnis" hat sich in einer Welt entwickelt, in der sich die Menschen ausschließlich von Angesicht zu Angesicht austauschten. Mit der Entwicklung des Internets verliert es zunehmend an Bedeutung. Doch offenbar nutzen wir das Netz auf eine ähnliche Weise, wie neuere Forschungsergebnisse nahe­legen. Wir laden Erinnerungen in die virtuelle "Cloud" – etwa Urlaubsfotos in unser Facebook-Profil –, anstatt sie in ein papierenes Fotoalbum zu kleben und mit Freunden anzusehen. Wir ­geben unser Knowhow an Wikipedia weiter und ­bedienen uns wiederum aus diesem Wissens­pool. Fast alles kann man inzwischen über eine Google-Suche herausfinden. Merken wir uns deswegen womöglich auch weniger? …