Tom sitzt auf dem Teppichboden des Therapieraums im Hamburger Autismus-­Institut. Ein Lied erklingt. "Hallo, hallo, schön, dass du da bist", singen die Kinder aus dem Lautsprecher. Die Sozialpädagogin Sabrina Harves (im Foto rechts zu sehen) klatscht den Rhythmus des Stückes mit. Doch obwohl sie genau neben Tom sitzt, scheint der Zwei­jährige keine Notiz von ihr zu nehmen. Statt mit ihr zu spielen, holt er sich lieber seine Trinkflasche aus der Tasche seiner Mutter. Auch dabei nimmt er weder zur Pädagogin noch zur Mutter Kontakt auf. Tom scheint ganz in seine Welt versunken. Der einzige Laut, den er wiederholt von sich gibt, ist ein tiefer Ton.

Tom ist Autist. Schon als Säugling entwickelte er sich anders als gleichaltrige Kinder (siehe "Erste Warnsig­nale", S. 77), mit zwei Jahren bekam er schließlich die Diagnose "frühkindlicher Autismus". Diese Störung äußert sich vor allem durch Probleme bei der sozialen Interaktion und Kommunikation: Betroffene Kinder schauen andere Menschen zum Beispiel selten direkt an, ahmen nicht oft Laute nach, verwenden weniger Gesten wie Zeigen, Nicken oder Kopfschütteln und machen nicht häufig auf sich aufmerksam. Auch die Sprache entwickelt sich – wenn überhaupt – verzögert. Gleichzeitig neigen Autisten dazu, bestimmte Bewegungen oder Lautäußerungen zu wiederholen, zum Beispiel mit den Händen zu wedeln …