Wer auf der Kinoleinwand mit dem emotionalen Leid anderer konfrontiert wird, kommt anschließend im echten Leben besser mit physischen Schmerzen zurecht. Darauf deutet eine Untersuchung von Robin Dunbar von der University of Oxford und seinen Kollegen hin.

Die Wissenschaftler zeigten 169 Versuchspersonen gruppenweise das TV-Drama "Stuart: A Life Backwards", in dem es um das Leben eines drogenabhängigen Obdachlosen geht, der in seiner Kindheit missbraucht wurde. Vor und nach dem Film absolvierten die Probanden eine sportliche Ausdauerübung, die mit der Zeit ordentlich Muskelschmerzen in den Beinen verursacht.

Nach dem Film, so entdeckten die Forscher, gelang es den Teilnehmern plötzlich besser, die Zähne zusammenzubeißen: Sie hielten im Schnitt 13 Prozent länger durch als vorher. Außerdem fühlten sie sich den anderen Zuschauern, die gemeinsam mit ihnen das Drama angeschaut hatten, enger verbunden, wie eine Befragung offenbarte. Kontrollprobanden, die statt des bedrückenden Films eine Wissenschaftsdokumentation ansahen, meisterten die Übung dagegen anschließend nicht besser als im ersten Durchgang. Sie empfanden im zweiten Durchlauf sogar ein wenig mehr Schmerzen als zuvor.

Das Anschauen eines besonders emotionalen Films kurbelt vermutlich im Körper die Produktion von zusätzlichen Endorphinen an, so Dunbars Erklärung für den Effekt. Das sei auch bei anderen sozialen Aktivitäten der Fall, bei denen Menschen sich intensiven Gefühlen hingeben würden, etwa beim Singen oder Tanzen. Endorphine sind dafür bekannt, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und gleichzeitig die Schmerztoleranz zu erhöhen. (dz)

R. Soc. Open Sci. 10.1098/rsos.160288, 2016