An einer ungarischen Forschungseinrichtung unweit des Donauufers entstanden enge Bande zwischen einem alternden Pförtner und einem betagten Wachhund namens Balthasar. Manche Tage verbrachte der Hund bei dem Pförtner zu Hause. "Leider dauerte diese Beziehung nur eine paar Monate, denn der Pförtner wurde krank – und starb", schreibt Vilmos Csányi, Gründer der Abteilung für Verhaltensforschung an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest, in seinem Buch "Wenn Hunde sprechen könnten". Kurz nach dem Tod des Pförtners beobachteten die Wissenschaftler des Instituts, dass Balthasar hin und wieder ver­schwand, vor allem morgens. "Wir folgten ihm, um herauszufinden, was er tat", berichtet Csányi. "Es stellte sich heraus, dass er die viel befahrene Schnellstraße überquerte, zum alten Haus des Pförtners im Dorf ging und stundenlang vor dessen Haustür saß."

Es gibt unzählige faszinierende Geschichten über die Beziehungen zwischen Menschen und Hunden – nicht zuletzt, weil diese Verbundenheit so unwahrscheinlich erscheint. Hunde sehen ganz anders aus als wir. Sie verhalten sich völlig anders. Sie scheinen kein Gespür für Kultur zu haben. Und sie können kein einziges Wort sprechen. Dennoch betrachten Menschen in westlichen Kulturkreisen ihre Hunde im wahrsten Sinn des Wortes als Familienmitglieder. Nach und nach deckt nun die Verhaltensforschung auf, wie es zu dieser kuriosen Verbindung kam.

Kaum 20 Jahre sind vergangen, seit Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und unsere Arbeitsgruppe in Budapest unabhängig voneinander untersuchten, inwieweit Haushunde Zeigegesten von Menschen folgen konnten, um verstecktes Fressen zu finden. Diese Arbeiten legten den Grundstein eines Forschungsfelds, das Aufschluss über das Fundament der Mensch-Hund-Bindung geben soll.

Etliches ist darüber inzwischen bekannt …