In den Tiefen des Alls umkreisten sich vor mehr als einer Milliarde Jahren zwei Schwarze Löcher auf immer engeren Spiralbahnen und stürzten schließlich ineinander. Der heftige Vorgang erschütterte das Gefüge der Raumzeit und erzeugte Gravitationswellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit in alle Richtungen ausbreiteten. Im September 2015 erreichten die Schwingungen schließlich unseren Planeten und machten sich in den Sensoren des Gravitationswellenobservatoriums LIGO (Advanced Laser Interferometer Gravitational Observatory) in den USA durch ein charakteristisches Signal bemerkbar.

Dieser erste direkte Nachweis von Gravitationswellen bestätigte Albert Einsteins 100 Jahre alte Vorhersage solcher Raumzeitschwingungen – die Einstein allerdings für niemals nachweisbar gehalten hatte. Dem Signal zufolge muss jedes der beiden Schwarzen Löcher 30-mal schwerer als die Sonne gewesen sein. Damit waren die Massen zwei- bis dreimal größer als die von üblichen Schwarzen Löchern, die aus Supernova-Explosionen massereicher Sterne hervorgehen. Konnten derartige Objekte überhaupt aus Sternen entstehen? Und selbst wenn zwei besonders massereiche Sterne unabhängig voneinander als solche Monstren endeten, wäre es – zumindest im Verlauf der vermuteten Entwicklung des Universums – unwahrscheinlich, dass sie anschließend zueinanderfanden und verschmolzen. Darum liegt die Annahme nahe, diese massereichen Schwarzen Löcher könnten auf irgendeine andere Weise entstanden sein, ganz ohne Vorläufersterne. Vielleicht hat LIGO also nicht nur Gravitationswellen entdeckt, sondern etwas noch Erstaunlicheres: Schwarze Löcher, die es bereits gab, bevor sich die ersten Sterne bildeten …