Unter dem Namen International Brain Lab (IBL) haben sich 21 führende neurowissenschaftliche Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Die Teams aus Europa und den USA wollen künftig bei Experimenten und theoretischer Modellierung an einem Strang ziehen. Vorbild sind ähnliche Großprojekte in der Physik, beispielsweise am LHC bei Genf. Dort arbeiten Wissenschaftler aus hunderten Labors gemeinsam an den Beschleunigern und den dort produzierten Daten.

Ein wichtiges Bestreben des IBL ist es, die gemein­samen Experimente zu standardisieren. Seit Jahren leidet die Hirnforschung darunter, dass Neurowissenschaftler zwar eine Unmenge an Daten produzieren, die Labors dabei aber zumeist eigenen Protokollen folgen. Das erschwert die Interpretation der Resultate erheblich. Zudem ist geplant, IBL-Experimente immer von einer weiteren Forschungsgruppe replizieren zu lassen, bevor sie veröffentlicht werden. Dies soll Qualität und Aussagekraft der Studien erhöhen.

Im Zentrum des Interesses steht beim IBL die Frage, wie Verbünde von Nervenzellen im Gehirn Informa­tionen verarbeiten, etwa bei einfachen Entscheidungsproblemen, die sich an Nagern untersuchen lassen. Die Forscher nutzen dazu unter anderem implantierbare Chips, welche die Signale der Neurone erfassen, während sich die Tiere durch ein Labyrinth bewegen.

Flache Hierarchien und Meetings über das Internet sollen die gemeinsame Arbeit an Experiment und Auswertung möglich machen. Die Simons Foundation in Washington und der Wellcome Trust in London stellen eine Anschubfinanzierung in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro bereit.

Das IBL reiht sich in eine Hand voll weiterer Hirnforschungsgroßprojekte ein: darunter das Human Brain Project, die Brain Initiative und die Brain Observatories des Allen Institute for Brain Sciences in Seattle. Sie alle haben als Ziel, die Ergebnisse der Labors weltweit vergleichbar zu machen und in ein "Standardmodell" der Hirnforschung münden zu lassen.