Schon seit dem frühen Morgen war Darius leicht übel vor Aufregung gewesen. Als aber die beiden schweigsamen, breitschultrigen Männer nun die Tätowiermaschine enthüllten, breitete sich ein zunehmend frostiges Gefühl in seinem Magen aus. Während sein Lehrer, der Mann von der Stadtverwaltung und der Arzt ihre kurzen Reden hielten, wie man sie einem jungen Menschen am Vorabend seines 14. Geburtstages zu halten pflegte, starrte Darius in das Innenleben der Maschine.

Dort wimmelte es von Röhren, bunten Drähten, kleinen Motoren – sowie Nadeln und nochmals Nadeln, die von bunten Schläuchen mit schillernden Flüssigkeiten versorgt wurden.

Der Junge blickte kurz auf die Innenseite seines dünnen Unterarms und stellte sich mit Schaudern vor, wie die scharfen Spitzen seine Sehnen durchlöcherten oder gar auf den Knochen trafen.

Sein Magen wurde noch einmal um ein paar Grad kälter.

Die Rede der Offiziellen handelte vom Eintritt in die Welt der Erwachsenen, von der künftigen Rolle einer selbstbestimmten Persönlichkeit im Gemeinwesen und von der Kontrolle über das eigene Leben – alles dank der Farbkodierung der Nanosensoren.

Darius konnte das gar nicht mehr hören; seit Monaten redeten Eltern, Lehrer und staatliche Berater von nichts anderem mehr. Wie segensreich die eintätowierten drei mal drei Quadrate seien, wie nützlich ihre Farben, mit denen schlaue Nanopartikel meldeten, was sie herausgefunden hatten. Dass sie beizeiten rot leuchtend Fieber ankündigen könnten, oder mit Gelb zu niedrige Hormonspiegel, und dass sie bei absinkendem Blutzucker vor Heißhungerattacken warnen würden. Dabei hatte Darius im Leben noch nie Hunger verspürt. Für ihn war Essen immer Arbeit gewesen.

Vielleicht war er deswegen so schlaksig. …