Quälende Selbstvorwürfe, zu nichts Lust und das ewige Gefühl, es sei doch eh alles sinnlos – Beate Klein glaubt ihr Leben nicht mehr bewältigen zu können. Die 38-Jährige fühlt sich ausgeliefert, ihre Lage scheint ausweglos. Zutiefst verzweifelt findet sie den Weg in unsere Tagesklinik im Universitätsklinikum Greifswald. Schnell ist klar: Frau Klein leidet an mittelgradigen bis schweren depressiven Episoden, die sie bereits seit ihrer späten Jugend alle ein bis zwei Jahre heimsuchen. Albträume reißen sie aus dem Schlaf, Angstzustände, die sie selbst als "schlechte Erinnerungen" bezeichnet, quälen sie. Zwar bessert sich die Depression durch die Therapie in den folgenden Wochen, doch Anspannung und innere Unruhe wollen einfach nicht nachlassen.
Im Lauf der Behandlung kommen mehr und mehr körperliche Leiden zur Sprache, ihr starkes Übergewicht etwa. Zwar berichtet Frau Klein, sie habe dank der Appetitlosigkeit während ihrer depressiven Phasen immer wieder bis zu 20 Kilogramm abgenommen, aber eben nie dauerhaft. Seit vier Jahren leidet sie unter Bluthochdruck und muss Medikamente nehmen. Außerdem warnt ihr Hausarzt, sie sei stark gefährdet, Diabetes zu entwickeln. Alkohol, so Klein, habe sie nie angerührt, nur von Zigaretten könne sie einfach nicht lassen.
Könnte ein Zusammenhang bestehen zwischen den körperlichen und den seelischen Leiden der Patientin? Haben sie womöglich sogar gemeinsame Wurzeln? Neue wissenschaftliche Untersuchungen legen dies nahe: So erhöhen neurobiologische Veränderungen – etwa durch Traumatisierung in der frühen Kindheit – nicht nur die Anfälligkeit für seelische Erkrankungen, sondern auch für körperliche Gebrechen …