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Editorial

Wes Brot ich ess...?

Einem Modell des Münsteraner Psychologen Rainer Bromme zufolge vertrauen Menschen der Wissenschaft, wenn sie Wissenschaftler gleichzeitig in drei verschiedenen Hinsichten als glaubwürdig erleben. Da ist zunächst einmal die Expertise: Ich muss – sagen wir konkret als Leser eines Spektrum-Artikels – sicher sein, dass die Forscherinnen und Forscher, die hier schreiben, das jeweilige Feld beherrschen, über das sie berichten. Hinzu kommt die Integrität: Ich muss davon ausgehen können, dass niemand seine Quellen erfand oder Daten frisierte, kurz, dass sich jeder bei der wissenschaftlichen Arbeit an die Regeln seines Fachs hielt. Und zuletzt sind da noch die guten Absichten: Ich darf keine Zweifel daran haben, dass es lautere Motive sind, welche die Forscher antreiben. Das kann der Versuch sein, ein technisches oder medizinisches Problem zu lösen – aber auch pure Neugierde in der Grundlagenforschung.

Das jährlich durchgeführte "Wissenschaftsbarometer" gibt klare Hinweise darauf, dass das Vertrauen in die Wissenschaft hier zu Lande kaum an mangelnder Expertise zerbricht. Die meisten Deutschen gestehen zu, dass Forscher das, was sie tun, gelernt haben und beherrschen. Bei der Inte­grität wackelt es schon gehörig. So stimmten bei der letzten Erhebung im Sommer 2017 nur knapp mehr als die Hälfte der Aussage zu, Wissenschaftlern könne man vertrauen, weil sie nach Regeln und Standards ar­bei­ten. Richtig heikel wird es bei den guten Absichten. Nur vier von zehn Bundesbürgern meinen, man könne Wissenschaftlern vertrauen, da diese im Interesse der Öffentlichkeit forschen. Ein Knackpunkt sind die Fördermittel: Drei Viertel der Deutschen sagen, hier ­ent­stehe Misstrauen, weil Wissenschaftler stark abhängig von ihren Geld­gebern seien.

Zwar ist es nicht die primäre Aufgabe eines Wissenschaftsmagazins wie Spektrum, das gesellschaftliche Vertrauen in die Forschung zu mehren. Darum müssen sich die Wissenschaftler und ihre Institutionen schon selbst bemühen! Aber da auch viele Forscherinnen und Forscher für uns schreiben, frage ich mich, ob wir die Sache mit dem Geld nicht offensiver angehen sollten. Denkbar wäre zum Beispiel, unsere Autoren zu bitten, sämtliche Fördertöpfe zu benennen, die jene Arbeit finanzieren, über die sie in Spektrum berichten. Was denken Sie: gute Idee oder unnötig?

Herzliche Grüße, Ihr

Carsten Könneker

Februar 2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum der Wissenschaft Februar 2018

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