Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es um Ihr Selbstwertgefühl bestellt ist? Vermutlich. Die meisten Menschen haben Momente erlebt, in denen sie sich nutzlos fühlten, aber auch Situationen, in denen sie sehr zufrieden mit sich waren. Das Ausmaß, in dem eine Person solche positiven oder negativen Einschätzungen vornimmt, spiegelt ihr Selbstwertgefühl wider. Ist es allgemein hoch, sind wir gegenüber uns selbst wohlgesinnt, betrachten uns als wertvoll, akzeptieren und mögen uns so, wie wir sind. Das Selbstwertgefühl basiert also auf der subjektiven Wahrnehmung und beschreibt eher ein Gefühl als eine gedankliche Bewertung.

Ein hohes Selbstwertgefühl unterscheidet sich insofern deutlich vom Narzissmus, der durch Arroganz, Egoismus oder das Gefühl eigener Überlegenheit gekennzeichnet ist. Obwohl Narzissten häufig (aber keineswegs immer!) über ein hohes Selbstwertgefühl berich­ten, handelt es sich bei ihnen um Menschen mit ­einer übertrieben positiven Selbstwahrnehmung, welche mit der Abwertung ­anderer oder der Neigung, sie für das eigene ­Interesse auszunutzen, verbunden ist (mehr den Artikel ab S. 18). Was dagegen ein gesundes Maß an Eigenliebe ausmacht und wie man sie gegebenenfalls stärkt, beschäftigt fast jeden von uns hin und wieder. Die Begriffe "Selbstwert" und "Selbstwertgefühl", ob allein oder in Kombination mit "steigern", "stärken" oder "Test", wurden im Jahr 2015 durchschnittlich etwa 14 000-mal im Monat gegoogelt, und zwar allein bei deutschsprachigen Suchen. Im Englischen wurden die entsprechenden Schlagwörter über 6000-mal am Tag eingegeben.

Die meisten Webseiten, auf die man dabei stößt, geben Tipps, wie man das eigene Selbstwertgefühl verbessern kann. Viele Menschen meinen offenbar, ein hoher Selbstwert wirke sich positiv auf ihr Leben aus. Tat­sächlich ergab auch die psychologische Forschung der letzten Jahre, dass wir in vielen Bereichen davon profitieren – etwa beim persönlichen Wohlbefinden und im Beruf, aber auch bei Gesundheit oder Partnerschaft …