Den ganzen Morgen schon zieht eine Gruppe von Kapuzineraffen am Fluss entlang. Es ist das Ende der Trockenzeit, die Wasserquellen des Nationalparks Lomas Barbudal im Norden Costa Ricas versiegen unter der sengenden Sonne. Die meisten Bäume haben ihre Blätter verloren, der Wald wirkt merkwürdig kahl. Nur am Fluss ist es noch grün, und nur hier finden die Weißschulterkapuziner (Cebus capucinus) noch Futter. Diese nach den Mönchen des alten katholi­schen Ordens benannten Affen sind in Mittelamerika weit verbreitet. Unentwegt suchen die Tiere nach Nahrung, fast atemlos. Erst in der Mittagshitze kommen sie zur Ruhe. Doch jetzt geht in einem Baum Merkwürdiges vor sich: Ein Männchen und ein Weibchen sitzen einander dicht gegenüber – so entspannt, als hätten sie Beruhigungsmittel genommen. Jedes der Tiere streckt eine Hand zum Kopf des anderen. Dann legen sie die Hände auf das Gesicht des Gegenübers und stecken sich gegenseitig einen Finger in die Nase …