Vor 100 Jahren, am 23. März 1912, wurde in Wirsitz im heutigen Polen Wernher von Braun als zweiter von drei Söhnen geboren. Schon in seiner Jugend entwickelte er großes Interesse an Astronomie und Raketentechnik, wie seine Versuche mit Feuerwerksraketen zeigten. Weiter angefeuert wurde seine Fantasie durch die Science-Fiction-Werke von Jules Verne und H. G. Wells. Den endgültigen Ausschlag gab jedoch die Lektüre von Hermann Oberths Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen". In diesem Buch beschrieb der Autor erstmals alle zum Bau von mehrstufigen Flüssigtreibstoffraketen notwendigen Konzepte und Überlegungen. Wernher von Braun begann, sich intensiv mit der Mathematik und den theoretischen Konzepten der Raketentechnik auseinanderzusetzen – der Beginn einer Karriere, die ihren Höhepunkt mit der Landung der ersten Menschen auf dem Mond finden sollte.

Wernher von Braun
© NASA, MSFC
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Von Braun studierte ab 1930 Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg und an der ETH Zürich. Er schloss das Studium 1932 mit dem Diplom ab und begann, im Raketenprogramm des Heereswaffenamtes zu studieren. Er arbeitete an theoretischen Konzepten der Entwicklung von Raketen mit flüssigen Treibstoffen und deren praktischer Umsetzung. Seine Arbeit führte 1934 zur Promotion an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin mit einer Dissertation unter dem Titel "Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete". Ende 1934 erreichten zwei von von Braun entwickelte Versuchsraketen des Modells "Aggregat 2" mit den Spitznamen "Max" und "Moritz" erstmals Flughöhen von 2,3 beziehungsweise 3,4 Kilometern.

Zwischen 1937 und 1945 leitete Wernher von Braun die Heeresversuchsanstalt Penemünde auf Usedom. Er arbeitete an der Entwicklung einer mit Flüssigtreibstoff betriebenen Großrakete, die als Boden-Boden-Rakete feindliche Ziele in Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich erreichen sollte. Ab 1943 wurde die Rakete unter den Namen V2 unter massiver Beteiligung von Zwangsarbeitern unter menschenunwürdigen Bedingungen in Serie gefertigt. Wernher von Braun bestritt zeit seines Lebens davon gewusst zu haben, doch gibt es mehrere Belege seiner Beteiligung an diesen Verbrechen. Langfristig war von Brauns Interesse die Entwicklung von Raketen für den bemannten Flug ins All und zum Mond. Noch während seiner Zeit in Peenemünde entwarf er bereits dafür geeignete Raketen mit Kapseln für Astronauten.

Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reichs und dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte von Braun gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und Ingenieuren aus Peenemünde in die von den USA befreiten Gebiete Süddeutschlands zu gelangen. Organisiert durch einen Kontakt über seinen Bruder stellten sich von Braun und seine Mitarbeiter im bayerischen Oberjoch am 2. Mai 1945 den US-Truppen. Von dort wurden sie im selben Jahr ins texanische Fort Bliss verlegt, wo von Braun die Entwicklung militärischer Raketen für die US-Streitkräfte leitete. 1950 wurde von Brauns Team nach Huntsville in Alabama verlegt und entwickelte bis 1956 auf dem Militärgelände "Redstone Arsenal" verschiedene militärische Kurz- und Langstreckenraketen. Mit dem Sputnik-Schock 1957 und dem beginnenden Wettlauf ins All wurde von Brauns Raketentechnik erstmals für die Raumfahrt eingesetzt. Mit einer zur Trägerrakete "Jupiter-C" umgebauten Militärrakete gelang es auch den USA im Januar 1958 mit Explorer 1 einen ersten wissenschaftlichen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken.

Mit dem Übergang des Weltraumprogramms in Redstone Arsenal auf die im Jahr 1958 gegründete US-Raumfahrtbehörde NASA wurde von Braun der erste Direktor des Marshall Space Flight Center (MSFC). Diese Institution leitete ab 1960 die zivilen Raumfahrtprojekte der NASA. Wernher von Braun war von 1960 bis 1970 Direktor des MSFC und trieb die Entwicklung des US-amerikanischen Raumfahrtprogramms voran. Unter von Brauns Federführung wurden das Mercury-Programm, das die ersten Menschen in den erdnahen Weltraum brachte, und das Apollo-Mondlandungs-Programm entwickelt. Von Braun und sein Team erdachten und erprobten die dazu notwendige Raketentechnik in einer Zeit, als es weder die moderne Fertigungstechnik noch leistungsfähige Computer gab.

Seinen krönenden Abschluss fand von Brauns Arbeit mit den Mondlandungen des Apollo-Programm Ende der 1960er Jahre. Der erste Start der vom Team um von Braun entwickelten, gewaltigen Saturn-V-Rakete mit der unbemannten Kapsel Apollo 4 erfolgte im November 1967. Weniger als zwei Jahre später, im Juli 1969, brachte von Brauns Saturn V mit Apollo 11 die ersten Menschen auf den Mond. 1970 wurde Wernher von Braun nach Washington, D.C., versetzt, wo er als stellvertretender NASA-Direktor an der Planung zukünftiger Mission arbeitete. Die Streichung von Haushaltsmitteln für die NASA durch den US-Kongress bewirkte die Beendigung der Pläne von Brauns Plänen für eine bemannte Marsmission. So verließ er 1972 die NASA und arbeitete bis Ende 1976 als Vizedirektor des Luft- und Raumfahrtkonzerns Fairchild. Am 16. Juni 1976 verstarb er im Alter von 65 Jahren an Nierenkrebs in Alexandria, Virginia.