Mindestens 400 000 Bots haben sich in die politische Diskussion zur US-Präsidentschaftswahl auf Twitter eingemischt. Dabei produzierten die automatisierten Accounts geschätzt 20 Prozent aller thematisch passenden Tweets. Das geht aus einer Studie hervor, die Alessandro Bessi und Emilio Ferrara vom University of Southern California Information Sciences Institute einen Tag vor der Wahl veröffentlichten.

Laut ihrer Analyse der getwitterten Inhalte publizierten 75 Prozent der Bots positive Botschaften über Donald Trump. Das verbleibende Viertel schien eher dem Clinton-Lager zuzuordnen zu sein. Diese Bots veröffentlichten Botschaften, die die Forscher von der Stimmung her als neutral klassifizierten.

Wie Ferrara dem Magazin "Technology Review" sagte, sei es mittlerweile auch für Fachleute sehr schwer geworden, zwischen einem echten Twitterer und einem Bot zu unterscheiden. Die beiden Forscher haben eine Software erstellt, die sie darauf trainierten, verdächtige Anzeichen anhand zahlreicher Sekundärmerkmale zu erkennen, etwa wann der Account aktiv ist und wie er sich mit anderen vernetzt.

Die beiden Wissenschaftler betrachteten Stichproben und rechneten dann auf die geschätzte Gesamtzahl der Posts und Bot-Accounts hoch.

"Die Bots sind komplexer [als früher]. Sie nutzen künstliche Intelligenz, um mit Menschen eine Unterhaltung zu führen", sagt Ferrara. So könnten sie diffuse Stimmungen verfestigen und die Debatte womöglich noch weiter polarisieren. In manchen Staaten etwa des Mittleren Westens gebe es erheblich mehr Bots als in anderen Staaten. "Man könnte meinen, dass es dort eine echte Graswurzelbewegung gibt, aber in Wirklichkeit ist das alles nur von den Bots erzeugt", so Ferrara in "Technology Review".

Ob die Bots tatsächlich die öffentliche Meinung beeinflusst haben, konnten die Wissenschaftler durch ihre Beobachtungen nicht feststellen. Die Wirkung der Bots sei jedoch überproportional groß: Weil die Maschinen so aktiv sind, würden sie zwangsläufig häufiger retweetet und so über das Netz verteilt, was sie wiederum einflussreicher mache. Die Folge sei, dass Falschinformationen, Gerüchte und Verschwörungstheorien sich schneller verbreiteten, als wenn es die Bots nicht gäbe.