Egal ob bei Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahlen: Schulen, Rathäuser und Gemeinderäume von Kirchen sind beliebte Plätze für Wahllokale. Persönliche Wahlbenachrichtigungen und Ausweiskontrollen sollen Manipulationen weitestgehend ausschließen. Forscher um Jordan LaBouff von der University of Maine in Orono haben nun herausgefunden, dass aber allein der Ort, an dem wir unsere Stimme abgeben, den Ausgang einer Wahl schon beeinflussen kann.

In London befragten die Forscher Probanden aus mehr als 30 verschiedenen Ländern zu ihrer politischen Einstellung sowie zu ihren Ansichten über Menschen anderer Religionszugehörigkeit oder Herkunft. Ihre Interviews führten LaBouff und seine Kollegen bewusst an zwei sehr prominenten Orten durch: einmal in der Nähe des Parlamentsgebäudes und einmal nahe Westminster Abbey.

Die Versuchsteilnehmer, die mit Blick auf die Kirche befragt wurden, zeigten sich politisch konservativer und auch vor allem Nichtchristen gegenüber weniger aufgeschlossen. Zudem schätzten sich die Befragten als weitaus religiöser ein. Gerade bei knappen Wahlergebnissen könnten solche unbewussten Beeinflussungen ins Gewicht fallen, argumentieren die Wissenschaftler. Um die Versuchsergebnisse nicht zu verzerren, hatten sie nur Passanten angesprochen, die lediglich an Kirche oder Regierungsgebäude vorbeigekommen, nicht aber hinein- oder hinausgegangen waren.

Wie zahlreiche Studien bereits belegten, lassen wir uns in vielerlei Hinsicht von unserer Umgebung subtil beeinflussen. Der Anblick von Sportdrinks statt Wasserflaschen bescherte Probanden etwa ein längeres Durchhaltevermögen bei körperlichen Aktivitäten, und im Supermarkt werden mehr Weine aus Frankreich verkauft, wenn nebenbei französische Musik läuft.