Der Fall Palmyra machte Schlagzeilen: Die Sprengung der antiken Ruinen in Syrien lenkte den Blick der Weltöffentlichkeit auf die Vernichtung syrischer Kulturgüter durch den Islamischen Staat. Doch jetzt zeigen Satellitenbilder, dass auch die anderen Kriegsparteien archäologische Stätten systematisch plündern, wie Fachleute vom Dartmouth College berichten. Insgesamt zeigt fast ein Viertel der 1300 untersuchten Stätten Zeichen von Plünderungen. Besonders betroffen sind Regionen, in denen die Regierung wenig Kontrolle ausübt. Die Ergebnisse zeigen, dass Raubgrabungen und Plünderungen in ganz Syrien ein großes Problem darstellen und von allen Kriegsparteien geduldet, wenn nicht gar aktiv betrieben werden.

Plünderung der Ruinenstätte Apamea durch syrische Truppen
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Die Wissenschaftler widersprechen dabei der Auffassung, dass der Islamische Staat der Hauptakteur und die Zerstörung deswegen – wie bei den Buddhas von Bamiyan – überwiegend religiös motiviert sei. Vielmehr gelangten die Altertümer wohl auf den Schwarzmarkt. Wie das Team um den Nahost-Spezialisten Jesse Casana berichtet, wurden in den von der kurdischen YPG-Miliz beherrschten Gegenden bereits über 26 Prozent der Altertümer beschädigt, in den vom IS kontrollierten Regionen etwa 2  Prozent. In den von syrischen Regierungstruppen geführten Gebieten sind es 16 Prozent. Allerdings unterscheiden sich Art und Ausmaß der Schäden deutlich. Während bei Kurden und syrischer Opposition kleinere Schäden durch einzelne Schatzräuber aus nahen Dörfern die Norm sind, verwüstete der IS etwa die Hälfte der betroffenen Stätten systematisch und mit schwerem Gerät. Die syrische Armee plünderte etwa ein Fünftel der Stätten auf diese Weise.