Unser Blauer Planet besitzt wohl erst seit 1 bis 1,5 Milliarden Jahren seinen massiven, wenngleich überaus heißen inneren Kern. Das zeigt eine Untersuchung von Andrew Biggin von der University of Liverpool und Kollegen. Die Wissenschaftler haben dazu zahlreiche bereits veröffentlichte Studien neu ausgewertet und berechnet, wie sich das Erdmagnetfeld im Lauf der Erdgeschichte veränderte.

Die Daten belegen, dass das Erdmagnetfeld über lange Zeit kontinuierlich abnahm, bis es schließlich vor 1,3 Milliarden Jahren plötzlich heftig zunahm. Folglich muss es damals zu einer gravierenden Veränderung gekommen sein, meinen die Forscher – vermutlich dem "Gefrieren" des Erdkerns.

Das Magnetfeld der Erde gibt Auskunft über das Innere der Erde, weil es maßgeblich durch das flüssige Material des Erdkerns erzeugt wird. Wie es sich im Lauf der Zeit veränderte, lässt sich mit Hilfe von Vulkangestein ermitteln: Frische Lava wird mitunter beim Erstarren magnetisiert und konserviert so für die kommenden Jahrmillionen Informationen über das Magnetfeld zu ihrem Entstehungszeitpunkt. Je nachdem, aus welchem Erdzeitalter ein Felsbrocken stammt, weist er einen anderen Restmagnetismus auf, der sich mit Methoden des Paläomagnetismus auslesen lässt. Solche Daten aus insgesamt 36 Studien hat das Team um Biggin nun statistisch analysiert.

Allerdings sei immer noch nicht völlig verstanden, wie sich der Zustand des Erdkerns auf das Magnetfeld auswirkt, erklären die Forscher. Das von ihnen ermittelte Alter des Erdkerns von 1 bis 1,5 Milliarden Jahren ist daher noch mit einem Fragezeichen zu versehen. Bisherige Altersschätzungen für den Eisen-Nickel-Koloss im Innern unserer Erde reichten von einer halben bis hin zu 2 Milliarden Jahren. Bei einem Gesamtalter der Erde von rund 4,5 Milliarden Jahren rotierte der Blaue Planet folglich die allermeiste Zeit seiner Existenz ohne festen Kern durch das All.