Seit geraumer Zeit kennen Forscher "Alzheimer-Plaques" als typische Ansammlung größerer Mengen verklumpter Proteine zwischen den Hirnneuronen der Erkankten. Bislang blieb allerdings unklar, ob diese Plaques Ursache des Krankheitsgeschehens sind oder vielleicht nur die Folge weniger sichtbarer Defekte. Nun aber sprechen für die bis dato unbewiesene Hypothese, dass die Symptome der Demenz auf die Bausteine der Proteinplaques zurückzuführen sind, Erkenntnisse von Sidney Strickland von der Rockefeller University in New York und seinen Kollegen. Die plaquebildenden A-Beta-Proteine sorgen demnach dafür, dass kleine Blutgerinnsel sich nicht wie üblich auflösen – und stören so die Versorgung des Gehirns.

Die Forscher waren bei ihren Experimenten mit Alzheimer-Modellmäusen der Beobachtung nachgegegangen, dass die Erkrankung oft mit bestimmten Gefäßveränderungen und Kreislaufpathologien einhergeht. Zu diesen zählt etwa die zerebrale Amyloid-Angiopathie (CAA), bei der die Wände der Adern degenerieren, der Blutfluss besonders im Gehirn gestört ist und die kognitiven Fähigkeiten abbauen. Zudem ist bei Alzheimerkranken auch der Spiegel des Bluteiweißes Fibrinogen erhöht, das entscheidend an der Blutgerinnung beteiligt ist. Beide Vorgänge hängen offenbar unmittelbar zusammen, meinen Strickland und sein Team nun belegen zu können.

Wie die Forscher zeigen konnten, sind die bei der Blutgerinnung aus vernetztem Fibrinogen gebildeten Fibringerinnsel bei Alzheimermäusen abnormal geformt; zudem lösen sie sich nicht wie üblich auf. Dies liegt offenbar daran, dass die A-Beta-Proteine wesentlich die Prozesse stören, die bei der Blutgerinnung und der Auflösung von Gerinnseln ablaufen: In der Gegenwart von Alzheimer-A-Beta waren Auf- und Abbau von Fibrin aus Fibrinogen gestört, wie die Wissenschaftler zunächst im Reagenzglasversuch belegen. Und dies sorgt in lebenden Mäusen für Probleme, so die Forscher weiter: Besonders in den Blutgefäßen des Gehirns wird der normale Blutfluss beeinträchtigt, weil hier Gerinnsel nicht schnell aufgelöst werden.

Wie genau A-Beta eingreift, bleibt unbekannt – jedenfalls aber scheint das Protein wirksam in die Blutgerinnung einzugreifen, bevor es selbst in den auffälligen Plaques abgelagert wird. Gleichzeitig erhöht der Prozess die Menge an Fibrinogen: Auch die Gefäßwände im Großhirn von verstorbenen menschlichen Alzheimerkranken erwiesen sich als mit Fibrinogen überversorgt, wie gezielte Autopsien ergaben.

All dies lege nahe, dass die Symptome der Demenz durch die höhere Menge von noch nicht in Plaques abgelagertem Amyloid-Beta in den Gefäßwänden und der damit korrelierten Fibrinogenkonzentration verschlimmert werden. Tatsächlich hilft es, die Konzentration des Blutgerinnselvorläuferproteins Fibrinogen im Mausmodell zu senken: Solche Tiere litten tatsächlich seltener an Demenzsymptomen.

Auf diesem Weg ist also möglicherweise auch eine Behandlung von Patienten denkbar, meinen Strickland und Kollegen – zuvor aber müsse der Zusammenhang noch besser verstanden sein. Die Forscher vermuten, dass Medikamente wirksam sein könnten, die einen intensiven Kontakt von A-Beta und Fibrinogen verhindern und so den Blutfluss besonders im Gehirn, wo A-Beta vermehrt auftritt, aufrechterhalten. (jo)