Der Planetarische Nebel Kronberger 61
© Gemini Observatory / AURA
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Auch heute noch gelingen Amateurastronmen wichtige Entdeckungen – selbst im Zeitalter automatischer Himmelsdurchmusterungen und Auswertungen im Computer. Eines der jüngsten Beispiele ist der Planetarische Nebel Kronberger 61 (Kn 61), den der österreichische Amateurbeobachter Matthias Kronberger aufspürte. Er ist Mitglied eines internationalen Teams von Amateurastronemen, den "Deep Sky Hunters", die sich der Suche nach bislang unbekannten Planetarischen Nebeln widmen, von denen in unserem Milchstraßensystem schon mehr als 3000 bekannt sind.

Bilder des Digitized Sky Survey (DSS) im Bereich des Sichtfelds des Weltraumteleskops Kepler brachten die Amateurforscher auf die Spur von Kronberger 61. Kepler sucht im Grenzgebiet der Sternbilder Schwan und Leier nach Exoplaneten. Dabei überwacht der Satellit die Helligkeit von rund 150 000 Sternen, die sich in seinem Gesichtsfeld von 105 Quadratgrad befinden. Auf diese Weise fahndet Kepler nach kurzzeitigen Helligkeitsschwankungen, die von unbekannten Exoplaneten verursacht werden, die vor ihrem Zentralgestirn vorüberziehen. Kronberger und seine Mitstreiter durchmusterten nun systematisch die DSS-Aufnahmen des von Kepler inspizierten Himmelsgebiets und stießen dabei auf zwei, vielleicht sogar drei verdächtige, schwache Lichtflecken.

Daraufhin beobachteten sie diese Gebilde zunächst mit ihren eigenen Instrumenten und leiteten dann ihre Bilder und Beobachtungen an professionelle Astronomen weiter, die sich mit den Sternen im Blickfeld von Kepler befassen. Die Forscher beantragten daraufhin Beobachtungszeit am Acht-Meter-Teleskop Gemini North auf dem Gipfel des Mauna Kea im US-Bundesstaat Hawaii und nahmen dieses attraktive Bild des Planetarischen Nebels auf, der nun offiziell als "Kronberger 61" registriert ist.

Deutlich tritt auf diesem Bild eine blasenartige Struktur hervor, die vage an einen Zellklumpen erinnert. Verantwortlich für das Leuchten dieser dünnen Gashülle ist der bläuliche Stern im Zentrum des Nebels. Er ist sehr heiß und sendet ein intensives ultraviolettes Licht aus, das die umgebende Gashülle zum Leuchten im sichtbaren Licht anregt.

Planetarische Nebel erhielten ihren Namen nach ihrem Anblick in den frühen Teleskopen, der an verwaschene Planetenscheibchen erinnert. Sie sind die Endzustände von Sternen mit etwas mehr als einer Sonnenmasse. Hat ein solcher Stern nach einigen Milliarden Jahren des Wasserstoffbrennens seinen Brennstoffvorrat erschöpft, so bläht er sich zu einem Roten Riesen auf. Dabei beginnt das vorher aus dem Wasserstoff entstandene Helium zu schwereren Elementen wie Stickstoff, Sauerstoff oder Kohlenstoff zu verschmelzen und sammelt sich in der Zentralregion des Roten Riesen an.

Er entwickelt einen intensiven Sternwind und bläst einen großen Teil seiner äußeren Hüllen in den umgebenden Weltraum ab, die sich dann als Schalen um ihn herum ausbreiten. Schließlich ist auch der Vorrat an Helium in Sterninneren erschöpft und die Fusionsreaktionen erlöschen. Da der Stern nicht genügend Masse hat, um weitere Fusionsreaktionen zu noch schwereren Elementen bis hin zum Eisen auszulösen, schrumpft nun die Kernzone zu einem äußerst dichten, heißen Gebilde von der Größe der Erde zusammen, das eine Masse bis zum 1,4-Fachen der Sonnenmasse aufweisen kann. Die Oberfläche dieses Weißen Zwergs kann bis zu 200 000 Kelvin heiß sein und sendet deshalb intensive ultraviolette Strahlung aus.

Tilmann Althaus