Zu den größten Ehrungen, die ein Biologe erhalten kann, gehört die wissenschaftliche Benennung einer neu entdeckten Art nach dem eigenen Namen. Erstaunlicherweise wurde jedoch nach dem Soziobiologen, Evolutions- und Biodiversitätsforscher Edward O. Wilson nur einige wenige Ameisenspezies benannt, obwohl er als einer der herausragenden Biologen der letzten Jahrzehnte gilt. Für den Ornithologen Josh Beck aus El Cajon und Wissenschaftler um Andre Moncrieff von der Louisiana State University war es daher ein besonderes Anliegen, erstmals ein Wirbeltier mit dem Namen Wilsons in "The Auk" zu beschreiben: den Cordillera-Azul-Ameisenvogel (Myrmoderus eowilsoni). Mitglieder dieser Vogelfamilie begleiten die riesigen Kolonien an Treiberameisen, die durch den lateinamerikanischen Regenwald ziehen und dabei zahlreiche Insekten aufscheuchen, welche die Ameisenvögel dann erbeuten können.

Erstmals von kundiger Seite beobachtet wurde die Art am 9. Juli 2016 von Josh Beck in der Nähe der peruanischen Stadt Flor de Café im Amazonasgebiet. Am folgenden Tag berichtete er seinen Fund einer Gruppe Biologen um Moncrieff, die gerade eingetroffen war. Zufälligerweise hatte Beck auch den Ruf des Vogels aufgezeichnet, den die Wissenschaftler keiner bekannten Spezies zuordnen konnten. Gezielte Nachsuchen belegten, dass es sich tatsächlich um eine bis dahin unbeschriebene Art handeln musste – deren nächster Verwandter mehr als 1500 Kilometer entfernt im brasilianischen Amazonasregenwald vorkommt. Wie andere Ameisenvögel stellt auch Myrmoderus eowilsoni Insekten nach. Als Lebensraum ist er jedoch auf unberührten Regenwald mit gutem Unterwuchs angewiesen, der um Flor de Café jedoch rasch fällt: Viele Bewohner leben vom Sonnenkaffeeanbau, für den der Wald abgeholzt wird (für Schattenkaffee bleiben viele Bäume dagegen stehen).

Während ihrer Arbeit mussten die Forscher sogar einheimische Holzfäller bitten, dass sie die Rodungen zeitlich etwas verschieben, damit Stimmaufzeichnungen der Vögel nicht übertönt würden. In der Nähe der Siedlung erstreckt sich außerdem der mehr als 13 000 Kilometer große Nationalpark Cordillera Azul, der womöglich die Art beherbergt. Ob dies der Fall ist, sollen künftige Expeditionen klären.