Sommerzeit ist Sonnenbrandzeit. Wer bei schönem Wetter viel Zeit an der frischen Luft verbringt oder gar einen Urlaub im heißen Süden plant, sollte sich vorher also besser mit der richtigen Sonnencreme eindecken. Aber wie findet man die doch gleich? Bei einem Blick auf die Verpackung von Sonnenschutzmitteln stehen offenbar viele Verbraucher auf dem Schlauch, wie nun eine Studie von Forschern der Northwestern University in Chicago zeigt. Von 114 Versuchsteilnehmern, die die Wissenschaftler befragten, verstand etwa nicht einmal die Hälfte die Definition des Lichtschutzfaktors richtig.

Das Team um den Dermatologieprofessor Roopal Kundun präsentierte den Probanden Bilder von der Vorder- und Rückseite einer handelsüblichen Sonnencremepackung mit Lichtschutzfaktor 30. Im Anschluss waren nur 23 Prozent von diesen in der Lage, korrekt einzuschätzen, wie gut die Creme vor Sonnenbrand schützt; der Anteil sank sogar auf magere sieben Prozent, wenn es um das Risiko der vorzeitigen Hautalterung ging. Im Bezug auf die Krebsgefahr behielten immerhin 38 Prozent den Durchblick. "Wir müssen die Menschen besser über Sonnenschutzmittel aufklären", sagt Kundun deshalb. Rund die Hälfte der Teilnehmer gab an, stets die Sonnencreme mit dem höchsten Lichtschutzfaktor zu kaufen. Das deutet darauf hin, dass viele die Bedeutung dieser Kenngröße offenbar überschätzen, glaubt der Forscher: "Nur weil man Lichtschutzfaktor 100 kauft, ist man nicht automatisch auch zu 100 Prozent geschützt." Die Sonne komplett zu meiden, sei der einzige Weg, um einen 100-prozentigen Schutz zu erreichen.

Tatsächlich gibt der Lichtschutzfaktor lediglich an, wie viel länger man sich basierend auf der Eigenschutzzeit der Haut in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu riskieren. "Nur 43 Prozent der Teilnehmer wussten, dass man mit einer Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30, die man 15 Minuten bevor man das Haus verlässt aufträgt, 30-mal länger draußen bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen", sagt Kundu. Beträgt die Eigenschutzzeit etwa bei heller Haut nur zehn Minuten, wären das maximal fünf Stunden – vorausgesetzt, man cremt zwischendurch regelmäßig nach!

Direkte Angaben macht der Lichtschutzfaktor damit nur dazu, wie gut ein Sonnenschutzmittel gegen schädliche UV-B-Strahlung schützt, da diese in erster Linie für die Entstehung eines Sonnenbrands zuständig ist. Inzwischen weiß man aus Studien aber, dass auch UV-A-Strahlung bedeutend zur Entstehung von Hautkrebs und zur vorzeitigen Hautalterung beitragen kann. In den USA gibt es seit 2011 entsprechende neue Kennzeichnungsrichtlinien, die Hersteller motivieren sollen, auch den UV-A-Schutz zu verbessern. In Europa sollte der UV-A-Schutzfaktor von Sonnencremes nach Empfehlung der EU-Kommission mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors betragen. Verbraucher sollten daher auf entsprechende Kennzeichnungen achten.