Eine bizarre kleine Welt ist der Saturnmond Pan. Er konnte am 7. März 2017 von der Raumsonde Cassini erstmals aus der Nähe fotografiert werden. Auf den neuen Bildern tritt der ungewöhnliche Wulst des Monds hervor, der sich um seinen Äquator windet. Er besteht aus Ablagerungen von feinen Ringpartikeln, die durch die schwache Schwerkraft des Mondes angezogen wurden. Sie gingen schließlich mit geringer Geschwindigkeit auf der Oberfläche des Monds in einem relativ schmalen Streifen nieder und sammelten sich über Millionen Jahre hinweg an. Die Saturnringe sind im Allgemeinen etwa 10 bis 100 Meter dick, so dass sich alle Partikel annähernd in einer Ebene bewegen. Daher gingen sie auch nur in der Nähe der Äquatorregion des Monds nieder. Die "Hutkrempe" ragt mehrere Kilometer über die eigentliche Oberfläche von Pan auf. Sie muss sich auch etwas verfestigt haben, denn auf manchen Bildern lassen sich Hinweise auf kleine Einschlagkrater erkennen. Bei völlig lockerem Material könnten sich keine Krater bilden, vielmehr wären auftreffende kleine Objekte dann einfach im Staub verschwunden. Pan besteht zum größten Teil aus hart gefrorenem Wassereis mit geringen Beimischungen anderer Stoffe.

Saturnmond Pan in Großaufnahme der Raumsonde Cassini
© NASA / JPL-Caltech / Space Science Institute / Carolyn Porco
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernSaturnmond Pan in Großaufnahme
Aus einem Abstand von rund 25 000 Kilometern entstand diese Farbansicht des 34 Kilometer großen Saturnmonds Pan, der innerhalb der Ringe den Saturn umrundet. Die seltsame "Hutkrempe" besteht aus Partikeln der Saturnringe. Sie wurden von der schwachen Schwerkraft des Monds angezogen und lagerten sich über Millionen Jahre hinweg auf der Oberfläche in einem schmalen Streifen ab.

Die besten Bilder von Pan entstanden aus einem Abstand von ungefähr 25 000 Kilometern und erreichen eine räumliche Auflösung von nur 150 Metern pro Bildpunkt. Pan hat einen maximalen Durchmesser von 34 Kilometern und wurde erst im Jahr 1990 auf Bildern der Raumsonde Voyager 1 aus dem Jahr 1980 entdeckt. Er umrundet Saturn innerhalb des Ringsystems, und zwar in der Enckeschen Teilung im A-Ring, dem äußersten der hellen Hauptringe. Sie ist eine 325 Kilometer breite Lücke im A-Ring und wird von Pan selbst verursacht, der durch seine Schwerkraft diese Region weitgehend frei von Ringpartikeln hält.

Pan im Anflug (Aufnahme der Raumsonde Cassini)
© NASA / JPL-Caltech / Space Science Institute / Carolyn Porco
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernPan im Anflug
Wie eine fliegende Untertasse im Angriffsflug wirkt der Saturnmond Pan in dieser Aufnahme der Raumsonde Cassini vom 7. März 2017. Die "Hutkrempe" am Äquator des 34 Kilometer großen Monds tritt besonders deutlich hervor, zudem lassen sich lang gezogene gerade Verwerfungen im Hauptkörper von Pan erkennen.

Interessant ist auch der eigentliche rundliche Hauptkörper des Monds. Auf ihm lassen sich mindestens drei Scharen paralleler Verwerfungen erkennen, die den ganzen Mond durchziehen. Offenbar kam es in der Vergangenheit des Monds zu mehreren heftigen Zusammenstößen mit anderen Objekten. Beinahe wäre Pan dabei fast völlig zertrümmert worden. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich auch auf dem Hauptkörper kleine Einschlagkrater, die von Kollisionen in seiner jüngeren Vergangenheit berichten.

Die Raumsonde Cassini umrundet Saturn seit Juli 2004 und hat seitdem rund 400 000 Bilder des Planeten sowie seiner Ringe und Monde übermittelt. Sie umkreist den Planeten derzeit auf Bahnen, die sie sehr dicht an die Ringe heranführen, so dass sich die dort befindlichen Monde erstmals detailliert fotografieren lassen. Allerdings wird es keine weiteren Bilder von Pan in dieser Qualität mehr geben, denn Cassinis Mission nähert sich nach bald 13 Jahren im Saturnumlauf ihrem definitiven Ende: Am 15. September 2017 wird die Sonde gezielt zum Absturz auf Saturn gebracht und verglüht in seiner Atmosphäre.