Vor fast 41 Jahren, im August 1971, verbrachten die Astronauten der NASA-Mission Apollo 15 knapp drei Tage auf der Oberfläche des Mondes. Ihre Aufgaben waren die Erforschung der bei Amateurastronomen bekannten Hadley-Rille, der Aufbau eines autarken Langzeitexperiments mit dem Namen ALSEP und die Probenentnahme von Gesteinen der Mondkruste. Um die Reichweite der Astronauten zu erhöhen, setzten diese zum ersten Mal ein "Lunar Roving Vehicle" (LRV), das heißt ein Mondauto, zur Fortbewegung auf der Mondoberfläche ein.

Landestelle von Apollo 15 im Blick von LRO
© NASA, GSFC / Arizona State University
(Ausschnitt)
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Die Spuren dieses Gefährts, der Gerätekomplex ALSEP, die Mondlandefähre "Falcon" und sogar die Fußspuren der Astronauten sind nun auf den neuesten Bildern der US-Mondsonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) in neuer Schärfe zu erkennen. LRO umrundet den Mond in einer Umlaufbahn von nur knapp 50 Kilometern Höhe über der Mondoberfläche, doch für die neuen Bilder wurde die Bahnhöhe über der Landeplätzen von Apollo vorrübergehend auf nur 25 Kilometer abgesenkt. Dieser extrem nahe Vorbeiflug erlaubte Aufnahmen mit einer bisher unerreichten Auflösung von nur 25 Zentimetern pro Bildpunkt.

Diese Aufnahmen sind eine technische Herausforderung: Je niedriger LRO die Landestellen passiert, desto schärfer sind alle Details sichtbar. Andererseits bedeutet eine niedrige Bahn um den Mond eine höhere Bahngeschwindigkeit und verlangt kürzere Belichtungszeiten, um die zunehmende Bewegungsunschärfe auszugleichen. In 25 Kilometer Höhe rast LRO mit 1600 Meter pro Sekunde über der Mondoberfläche hinweg. Die kürzest mögliche Belichtungszeit von 0,34 Millisekunden reicht gerade aus, um die Bewegungsunschärfe weitgehend einzufrieren und die spektakulären Anblicke der Apollo-Landestelle einzufangen.

Das Mondauto der Mission Apollo 15
© NASA, JSC
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Die bereitgestellte Aufnahme zeigt in der Mitte als größtes Einzelobjekt die Landefähre. Das LRV ist am rechten Bildrand zu erkennen, verbunden mit der Landefähre durch eine Spur seiner Räder im Mondstaub (Pfeile) und den Laufspuren der Astronauten. Weitere Räderabdrücke lassen sich als parallele Linien in bis zu 100 Meter Entfernung zur Landefähre sichten. Der Räder des Mondautos sind 23 Zentimeter breit und so zeigen sich die einzelnen Abdrücke deutlich.

ALSEP befindet sich am linken Bildrand, versorgt durch einen Radioisotopengenerator lieferte es mehr als sechs Jahre lang nach der Landung Messdaten des Mondmagnetfelds sowie des Sonnenwinds und zeichnete Mondbeben mit einem Seismometer auf. Deutlich ist der durch die Schritte der Astronauten aufgewühlte Mondboden rund um das Experiment zu erkennen.

Weitere Laufspuren der Astronauten zeigen sich oberhalb der Landefähre im Bild als kleine Schleife. Auch der Rückweg der Astronauten vom zurückgelassenen LRV zur Landefähre ist als einzelne dunkle Linie deutlich sichtbar. Den berühmten einzelnen Fußabdruck sucht man jedoch vergeblich. Dafür reicht auch die nun höhere Auflösung der Kamera an Bord von LRO nicht aus.

Auch die hinterlassene Fahne ist nicht direkt zu erkennen, lediglich der darum plattgetretene Mondstaub verrät ihren Standort. "In Anbetracht der extremen Temperaturschwankungen und der starken Ultraviolett-Einstrahlung ist nicht sicher, ob die Flagge noch existiert. Ich wäre überrascht, wenn nach mehr als 40 Jahren auf dem Mond noch irgendwas von ihr übrig wäre, wo hier auf der Erde Flaggen schon nach einem Sommer im Freien verblichen sind.", sagt Mark Robinson, Chefwissenschaftler von LRO, und fährt fort: "Wenn die Flagge noch da ist, dann sieht sie vermutlich ziemlich mitgenommen aus."