In einer Bucht in der kanadischen Arktis hat ein Forscherteam der Arctic Research Foundation die Überreste der "HMS Terror", des zweiten Schiffs der 1848 verschollenen Franklin-Expedition, gefunden. Das Wrack des Schiffs liegt, nahezu unbeschädigt und augenscheinlich sorgfältig winterfest gemacht, in 24 Meter Tiefe, etwa 100 Kilometer südlich jener Position, an der es vermutet wurde. Das stellt die bisher akzeptierte Theorie über das Ende der Expedition in Frage, nach der die Überlebenden die Schiffe aufgaben und auf dem Marsch nach Süden starben.

Die Expedition unter Führung des britischen Abenteurers Sir John Franklin suchte ab 1845 nach der Nordwestpassage – die beiden Schiffe wurden vom Eis eingeschlossen. Nach drei Wintern im Eis versuchten sich die 105 Überlebenden laut einer an der Nordseite von King William Island gefundenen Notiz zu Fuß nach Süden zur Hudson Bay zu retten, was aber nicht gelang. Der Fund der "Terror" am unerwarteten Ort wirft die Frage auf, ob dieser bisher angenommene Ablauf der Ereignisse in den letzten Wochen der Expedition vollständig ist.

Das Flaggschiff der Expedition, die "HMS Erebus", wurde bereits 2014 weitere rund 100 Kilometer südlich gefunden. In beiden Fällen waren Hinweise aus der Bevölkerung entscheidend für die Entdeckung. Während mündlich überlieferte Geschichten der Inuit 2014 zur Entdeckung der "Erebus" führten, gab bei der neuen Entdeckung ein Expeditionsteilnehmer aus der Region den Ausschlag; er berichtete, sechs Jahre früher beim Fischen auf King William Island an der späteren Fundstelle auf einen aus dem Eis ragenden Mast gestoßen zu sein.

Auf diesen Hinweis hin machte eines der Forschungsschiffe der Suchexpedition, die sich an der bislang vermuteten Wrackposition im nördlichen Bereich des Seegebiets befand, einen Abstecher nach Süden. Dort fand das zehnköpfige Untersuchungsteam das Wrack. Wie erste Unterwasseraufnahmen zeigen, entsprechen die Schiffsüberreste den bekannten Bauplänen der "HMS Terror". Nun besteht die Möglichkeit, dass die Schiffe zu einem späteren Zeitpunkt als gedacht noch einmal reaktiviert worden waren. Das könnte auch sich teilweise widersprechende Berichte der lokalen Bevölkerung über das Ende der Expedition erklären.