Ein nur 50 Meter großer Asteroid, der hoch über Berlin explodiert, würde etwa 1,2 Millionen Menschen töten – die meisten von ihnen durch extrem starken Wind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe um Clemens Rumpf von der University of Southampton anhand einer Risikoanalyse für verschiedene Einschlagsszenarien. Unter anderem kommt das Team zu dem Schluss, dass die Tsunamigefahr bei einem Einschlag im Meer weit geringer ist als bisher vermutet: Ein 200 Meter großer Asteroid, der 130 Kilometer vor Rio de Janeiro ins Meer fiele, würde wohl lediglich etwa 50 000 Menschen töten. Kaum mehr, als jährlich auf Brasiliens Straßen sterben, und ein Bruchteil der Todesopfer, die selbst ein viel kleinerer Himmelskörper in einer großen Stadt fordern würde.

Ein Himmelskörper, der auf der Erde einschlägt, gibt den größten Teil seiner Energie in der Atmosphäre ab. Deswegen muss ein Asteroid auch nicht den Erdboden erreichen, um erheblichen Schaden anzurichten. Nach Ansicht von Rumpf würde ein in der Luft explodierender etwa 50 Meter großer Asteroid – wie er die Erde im Durchschnitt alle etwa 1000 bis 2000 Jahre trifft – bereits ein Drittel der Todesopfer fordern wie in seinem Szenario mit einem 64-fach schwereren Asteroiden mit 200 Metern Durchmesser.

Das liegt daran, dass im Modell die meisten Menschen durch die Effekte tornadostarker Winde sterben, die mit der Stoßwelle des Airbursts einhergehen. Selbst ein weit größerer Körper, der den Boden erreicht, tötet kaum die Hälfte seiner Opfer durch die direkten Wirkungen des Einschlags. In den von ihnen untersuchten Fallbeispielen berechneten die Forscher den Anteil der gegenüber den verschiedenen Einschlagseffekten verwundbaren Bevölkerung. Dabei zeigte sich, dass der Einschlag und der resultierende Feuerball zwar absolut tödlich sind, aber nur kleine Flächen betreffen. Druckwelle und Wind gefährden dagegen auf größeren Flächen Menschen und Gebäude. Die Effekte sind, so die Forscher, vergleichbar mit dem eines stadtgroßen Wirbelsturms.