Seit rund zwei Monaten befindet sich Europas Kometensonde Rosetta im Nahbereich des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Am Wochenende veröffentlichte die Europäische Raumfahrtbehörde ESA Bilder der Navigationskamera der Sonde, die Details bis herab zu 1,3 Meter Durchmesser enthüllen. Sie entstanden am 8. Oktober 2014 aus einem Abstand von rund 17 Kilometern zum Kometenkern. Sehr deutlich lässt sich die extrem zerklüftete und bizarr geformte Oberfläche des Kerns erkennen, deren Zusammensetzung noch unbekannt ist. Sie enthält den bisherigen Untersuchungen von Rosetta nach kein Wassereis, sondern besteht überwiegend aus kohlenstoffreichen organischen Verbindungen, die aber nichtbiogenen Ursprungs sind.

Das Bild unten zeigt einen Teil des größeren Teilkörpers von 67P, der sich auf der Schuhsohle des wegen seiner Form auch als "Stiefel" bezeichneten Kerns von 67P befindet. In der Bildmitte ist eine der vielen glatten Ebenen zu erkennen, die offenbar aus feinkörnigem Material besteht. In diesem Gebiet befinden sich zahlreiche "Gesteinsbrocken", der größte von ihnen wurde auf den Namen Cheops getauft, nach dem altägyptischen Pharao. Er wirft hier einen deutlichen Schatten und erinnert tatsächlich an die große Pyramide in Ägypten. Cheops ist etwa 25 Meter hoch und erstreckt sich über rund 45 Meter. Zum Vergleich: Die Cheopspyramide ist 139 Meter hoch und an der Basis 230 Meter breit.

Komet 67P am 8. Oktober 2014
© ESA / Rosetta / NAVCAM
(Ausschnitt)
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Auf einer flachen Ebene auf dem Kern von 67P lässt sich der rund 25 Meter hohe und bis zu 45 Meter lange Brocken erkennen, der den Namen Cheops erhielt. Er befindet sich rechts oberhalb der Bildmitte. Das Foto nahm die europäische Kometensonde Rosetta aus einer Entfernung von 17 Kilometern auf.

Im nächsten Bild unten ist ein anderer Teil des Kerns zu sehen, hier ist besonders die steile Geländekante nahe der Bildmitte von besonderem Interesse. Hier hat es den Anschein, dass bei den Annäherungen an die Sonne Teile des Kernmaterials durch Sublimation von Kometeneis freigelegt werden, die weniger leicht flüchtig sind. Sie lösen sich aus dem Gesteinsverband und fallen in der äußerst geringen Schwerkraft, die nur etwa einem Zehntausendstel der irdischen Anziehungskraft entspricht, langsam zu Boden und rollen nach links. Somit bauen diese Brocken nach und nach eine "Geröllhalde" auf, wie man sie sehr häufig in irdischen Hochgebirgen antrifft. Manche von den Brocken rollen noch etwas weiter und erreichen die nächste flache Ebene links. Nahe dem rechten Bildrand lässt sich ein skurriles Gebilde erkennen, dass auf dieser Aufnahme an einen schiefen Turm erinnert. Dieser ist etwa 50 Meter hoch.

Komet 67P am 8. Oktober 2014, Bild 3
© ESA / Rosetta / NAVCAM
(Ausschnitt)
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Eine Geländekante, an die sich eine Geröllhalde nach links anschließt, dominiert nahe der Bildmitte diesen Teil des Kometen 67P.

Sehr zerklüftet zeigt sich 67P auf der nachfolgenden Aufnahme. Scharfkantige Gebirge durchbrechen sanfte Ebenen, die mit Staub bedeckt sind, der etwa so dunkel wie der Toner in einem Laserdrucker ist. Zum linken Bildrand hin ist das Material des Kerns deutlicher zu erkennen, es besteht offenbar aus einer Vielzahl kleinerer Brocken, die miteinander verbacken sind. Sie könnten die Materie sein, aus dem sich der Kometenkern vor rund 4,5 Milliarden Jahren im solaren Urnebel zusammenballte.

Komet 67P am 8. Oktober 2014, Bild 4
© ESA / Rosetta / NAVCAM
(Ausschnitt)
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Eine zerklüftete Oberfläche dominiert diesen Abschnitt des Kometen 67P. Teilweise ragen scharfe Berge aus mit Staub gefüllten Ebenen auf.