Opioide sind wirksame Schmerzmittel. Wer jedoch unbedacht mit ihnen umgeht oder sie als Drogen missbraucht, läuft schnell Gefahr, abhängig zu werden. Und das gilt nicht nur für Menschen, Mäuse oder Affen, sondern auch für den Zebrabärbling (Danio rerio), wie Wissenschaftler von der University of Utah nun im Fachmagazin "Behavioral Brain Research" berichten.

Die Forscher trainierten die Fische zunächst darauf, in ihrem Tank auf eine spezielle Plattform zu schwimmen, um Nahrung zu erhalten. Bei einer zweiten Plattform erhielten die Tiere dagegen keine Belohnung. Nachdem die Zebrabärblinge das System verstanden hatten, änderten die Wissenschaftler die Regeln: Nun bekamen die Fische statt Futter eine Dosis des Opioids Hydrocodon verabreicht, wenn sie die richtige Plattform aktivierten. Und von dieser Möglichkeit machten die Tiere rege Gebrauch: Obwohl ein Strom sie nach erhaltener Belohnung von der Plattform spülte, kehrten sie stets deutlich häufiger dorthin zurück als zu der Vergleichsplattform, bei der nichts geschah.

Das Verlangen der Fische nach Hydrocodon ging nach einer Woche so weit, dass sie dafür auch in flache Gewässer schwammen, um die Plattform zu aktivieren – eine Situation, welche die Tiere eigentlich meiden. Außerdem kehrten sie häufiger zurück, wenn sie nur noch eine niedrigere Dosis des Opioids verabreicht bekamen, und nach 48 Stunden ohne Hydrocodon zeigten sie typische Entzugserscheinungen wie Ängstlichkeit. Für die Forscher reicht das aus, um insgesamt von einem "drug-seeking behavior" zu sprechen.

"Drogen regen das Belohnungssystem im Gehirn auf äußerst effektive Art und Weise an", sagt Gabriel Bossé, Erstautor der Studie. Das sei offenbar auch bei Fischen der Fall, die immerhin über dieselben Opioidrezeptoren verfügen wie Menschen und deren Belohnungssystem ebenfalls mit Hilfe der beiden Neurotransmitter Glutamat und Dopamin arbeitet.

Trotzdem waren Forscher sich bislang nicht sicher, ob die Tiere auch ein ähnliches Verhalten im Hinblick auf Abhängigkeit und Entzug zeigen würden. Von der neu gewonnenen Erkenntnis erhoffen Bossé und Kollegen sich in erster Linie ein weiteres Tiermodell, mit dem sich vielleicht schneller und effektiver therapeutische Stoffe aufspüren lassen, die eine Sucht auch beim Menschen zu lindern vermögen.