Der Amazonasregenwald gehört zu Schlüsselregionen für das Weltklima, denn seine üppige Vegetation speichert enorme Mengen an Kohlenstoff: Das Ökosystem zählt daher bislang zu den Kohlendioxidsenken, die die Erderwärmung bremsen. Dennoch sind die Folgen des steigenden Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre selbst in unberührten Arealen des Regenwalds zu spüren, schreiben Geowissenschaftler um Thomas Lovejoy von der George Mason University in Washington D.C.

Fischgrätenmuster der Entwaldung im brasilianischen Bundesstaate Rondonia
© NASA / USGS
(Ausschnitt)
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Wie Straßen die Entwaldung beeinflussen, zeigen eindrucksvoll Satellitenbilder wie hier aus dem brasilianischen Bundesstaat Rondonia. Links und rechts der Pisten beginnt die Rodung, die sich dann entlang sekundärer und tertiärer Straßen ausweitet. Es entsteht ein so genanntes Fischgrätenmuster.

Lovejoy gehört zu den Initiatoren einer seit mehr als 35 Jahren laufenden Langzeitstudie im nördlichen Brasilien, die ökologische Veränderungen in der Region untersucht. Ursprünglich zielte sie vor allem auf die Folgen der Zerstückelung intakter Waldgebiete ab, die aus einem geschlossenen Ökosystem einzelne Inseln macht – was die Tier- und Pflanzenwelt im Laufe der Zeit und je nach Größe der "Insel" radikal verändert. Völlig unerwartete Entwicklungen beobachteten die Forscher jedoch in ihren Kontrollflächen, die zum Vergleich in intakten, ausgedehnten Regenwaldflächen ausgewählt wurden.

Schneller leben, schneller sterben

Dort wuchsen und starben Bäume schneller oder legten in kürzerer Zeit mehr Biomasse zu. Zu den auffälligsten Emntwicklungen gehört zudem, dass sich Lianen und andere Schlingpflanzen stark ausbreiteten und vermehrten – Trends, die auch in anderen langzeitig untersuchten Regenwaldgebieten in Zentralamerika oder Südostasien auftraten, so Lovejoy. Da die meisten anderen Einflussfaktoren über die Jahrzehnte hinweg weit gehend stabil geblieben sind, betrachten die Forscher die gestiegenen Kohlendioxidkonzentrationen ursächlich für diese Veränderungen. "Mit zunehmender Kohlendioxidmenge wird die Vegetation instabiler, aber auch dynamischer, solange die Böden ausreichend Nährstoffe für das Wachstum nachliefern", so Lovejoy.

Was in ansonsten intakten Regenwäldern – bislang zumindest – unkritisch ist, wird für isolierte Waldinseln jedoch problematisch: In ihnen nehmen Schlingpflanzen überhand; zudem trocknen sie durch Randeffekte leichter aus. Beides zusammen erhöht die Brandgefahr, was letztlich die Kohlendioxidkonzentration in der Luft weiter erhöht – ein Teufelskreis. Auf Dauer könnte deshalb aus der Senke Amazonien eine Quelle werden, warnen die Forscher.