Reue ist ein Gefühl, dass Forscher bislang nur vom Menschen kannten. Möglicherweise trauern jedoch auch andere Säugetiere verpassten Chancen hinterher, wie Adam Steiner und David Redish von der University of Minnesota nun zeigen konnten. Die Neurowissenschaftler entdeckten, dass auch Ratten ein Verhalten zeigen, dass Bedauern ähnelt, wenn sie sich durch eine Fehlentscheidung mit einer schlechteren Belohnung abfinden müssen.

Die Qual der Wahl

Steiner und Redish überlegten sich dazu einen ausgeklügelten Versuchsaufbau, in dem sie Nager im Kreis durch vier verschiedene Belohnungszonen laufen ließen. In der Mitte jeder Zone befand sich ein Gang, an dessen Ende die Tiere nach einiger Zeit Futter in verschiedenen Geschmacksrichtungen bekamen. Ein Signalton verriet ihnen dabei, wie lange sie in der jeweiligen Zone ausharren mussten, bis sie ihre Belohnung bekamen. Während die Position der Leckereien immer gleich blieb, variierten die Zeitintervalle bis zur Fütterung zufällig zwischen 1 und 45 Sekunden. Somit hatten die Nager in jeder Zone basierend auf Wartezeit und Geschmackspräferenzen die Qual der Wahl: Warte ich auf die Belohnung hier oder hoffe ich, dass es im nächsten Gang schneller geht?

Ließen die Ratten eine Belohnung aus und hatten in der nächsten Zone Pech und mussten noch länger warten, warfen die Tiere oft einen Blick zurück auf die verpasste Gelegenheit. Außerdem nahmen sie bereitwillig längere Wartezeiten als üblich in Kauf und verschlangen das Futter schneller, um direkt in den nächsten Bereich zu laufen – ein Verhalten, dass Steiner und Redish als Bedauern interpretieren.

Reue zeigt sich im Gehirn

Hinweise auf Reue fanden die Neurowissenschaftler außerdem auch mit einem Blick auf die Hirnaktivität der Nager. Neurone im orbitofrontalen Kortex und im ventralen Striatum zeigten geschmacksspezifische Aktivierungsmuster, wenn die Tiere eine Belohnung erwarteten. Dieselben Aktivierungsmuster konnten die Forscher auch beobachten, wenn die Ratten auf eine verpasste Chance zurückblickten.

Der orbitofrontale Kortex und das ventrale Striatum sind bei Nagern maßgeblich an der Entscheidungsfindung beteiligt – vor allem wenn es darum geht, zu erwartende Belohnungen zu beurteilen. Versuche konnten zeigen, dass der orbitofrontale Kortex auch bei menschlichen Reuegefühlen eine Rolle spielt. Menschen, bei denen diese Hirnregion beschädigt ist, zeigen kein Bedauern.