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Magnetrezeption: Auch Standvögel besitzen Magnetometer

Europäischer Star (Sturnus vulgaris)
Bereits vor einigen Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass Brieftauben mit Hilfe von eisenhaltigen kurzen Nervenästen im Oberschnabel die Stärke des Erdmagnetfeldes messen können. Die Anlagen dafür wiesen Günther Fleissner von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und sein Team jetzt sogar in Vogelarten nach, die nicht auf eine weiträumige Orientierung angewiesen sind.

Das Team untersuchte das Gewebe des Oberschnabels zunächst mit speziellen Röntgenstrahlen, um herauszufinden, wo die stark magnetischen Eisenverbindungen in den Dendriten sitzen und wie sie im Detail zusammengesetzt sind. Dann verglichen sie diesen histologischen Befund mit den Ergebnissen von physikochemischen Analysen. Auf diese Weise konnten sie zeigen, dass die Eisenoxide in den Dendriten unterschiedlicher Vögel tatsächlich identisch sind.

Gleich, ob Vögel ihre Magnetkarte im Hirn zur weiträumigen Orientierung nutzen oder nicht: Die Anlagen sind sowohl bei Zugvögeln wie Rotkehlchen und Grasmücken als auch bei ortstreuen Tieren wie Haushühnern vorhanden. Dieser Befund sei erstaunlich, weil die untersuchten Vögel eine sehr unterschiedliche Lebensweise haben und vielfältige Orientierungsaufgaben lösen müssen, so die Forscher.

Die Orientierung im Raum wird ermöglicht, in dem das von den Eisenverbindungen lokal verstärkte Magnetfeld die Dendriten der Nervenzellen anregt. Vermutlich kodiert dabei jeder der mehr als 500 Magnetfeldrezeptoren nur jeweils eine Richtung des Magnetfelds. Die Informationen werden an das zentrale Nervensystem im Kopf des Vogels weitergeleitet und bilden die Basis für eine Magnetkarte, anhand derer er navigieren kann.

Nach aktuellem Forschungsstand beruhen Magnetkompass und Magnetkarte wahrscheinlich auf unterschiedlichen Mechanismen und sind an anderer Stelle lokalisiert: Der Magnetkompass im Auge und das Magnetometer für die Magnetkarte im Schnabel.

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