Naturgemäß bevorzugen Astronomen die dunkle Nacht, um von der Erde aus das All zu beobachten. Doch Ned Molter von der University of California in Berkeley hielt sich nicht daran und hielt bereits in der Dämmerung Ausschau nach Neptun. Und es hat sich gelohnt, denn mit Hilfe des Keck-Teleskops auf dem Mauna Kea auf Hawaii entdeckte er einen gewaltigen Sturm auf dem gegenwärtig äußersten Planeten unseres Sonnensystems, wie das Keck-Observatorium mitteilt. Das Zentrum des Gebildes erstreckt sich allein schon über rund 30 Längen- und Breitengrade in Äquatornähe des Neptuns. Das entspricht rund 9000 Kilometern und damit fast 75 Prozent des Erddurchmessers.

Die Wolken des Sturms wurden zwischen dem 26 Juni und dem 2. Juli 2017 heller und traten in einer Region auf, in der bislang nie ein derartiges meteorologisches Ereignis beobachtet worden war. Bislang beschränkten sich Wolkenbeobachtungen überwiegend auf polnähere Gebiete des Planeten, und sie sind gewöhnlich weniger hell. Molter und seine Kollegin Imke de Pater vermuten, dass die hellen Wolken aus kondensiertem Methan bestehen und womöglich von einem dunklen Wirbelsystem mit hohem Luftdruck zusammengehalten werden, das tief in der Neptunatmosphäre verankert ist. Wenn das Gas darin aufsteigt, kühlt sie sich ab, bis das Methan in Tröpfchen kondensiert – ähnlich wie dies auf der Erde mit Wasserdampf passiert. Warum das aber ausgerechnet am Neptunäquator geschieht, lässt de Pater rätseln: "Dieser gewaltige Wirbel befindet sich in einer Region, wo Luft eigentlich absinken und nicht aufsteigen sollte. Zudem lässt sich hier ein langlebiger Wirbel kaum physikalisch erklären."

Sollten die Wolken dagegen nicht zu einem derartigen Wirbel gehören, könnte es sich bei dem System auch um konvektive Wolken handeln – ähnlich wie bei einem riesigen Sturm auf Saturn, der 2010 entdeckt wurde. Allerdings sollte man dann annehmen, dass sich die Wolken während der einen Woche, in welcher der Sturm beobachtet wurde, in die Breite ziehen. "Das zeigt alles, wie extrem dynamisch die Neptunatmosphäre ist. Vielleicht sehen wir hier ein Wetterphänomen, das nur alle paar Jahrzehnte auftritt", so de Pater. Ohnehin gehört der Planet zu den windigsten Orten unseres Sonnensystems. Am Äquator können Stürme Spitzengeschwindigkeiten von 1600 Kilometern pro Stunde erreichen, der Höchstwert auf der Erde liegt hingegen bei "nur" 407 Kilometern pro Stunde durch Wirbelsturm "Olivia" im Jahr 1996.