Wissenschaftler um Suzanne Hand von der australischen University of New South Wales haben in Neuseeland die Überreste einer neuen Fledermausart gefunden, deren Vertreter eine etwas ungewöhnliche Art der Fortbewegung bevorzugten: Anstatt ihre Beute im Flug zu erlegen, jagten sie vermutlich hauptsächlich am Boden auf allen vieren.

Die Forscher entdeckten die Fossilien in der Region Otago auf der Südinsel Neuseelands in den Sedimenten eines prähistorischen Sees aus dem Miozän von vor etwa 16 bis 19 Millionen Jahren. Damals befand sich dort vermutlich ein deutlich wärmerer, subtropischer Regenwald. Mystacina miocenalis, wie Hand und Kollegen die neu entdeckte Art tauften, ist verwandt mit der noch heute in der Region heimischen Kleinen Neuseelandfledermaus Mystacina tuberculata. Diese ist ebenfalls dafür bekannt, auch am Boden zu jagen und sich dort auf allen vieren gehend und kletternd fortzubewegen. Im Gegensatz zur Kleinen Neuseelandfledermaus ist Mystacina miocenalis allerdings deutlich größer und schwerer gewesen: Mit schätzungsweise 40 Gramm brachte die Fledermaus aus dem Miozän bis zu dreimal so viel auf die Waage wie ihre zeitgenössischen Verwandten und der Großteil der übrigen 900 heute noch lebenden Fledermausspezies. Da ein Zuviel an Größe und Gewicht hinderlich bei der Jagd in der Luft ist, hat sich Mystacina miocenalis offenbar entsprechend noch mehr am Boden aufgehalten und dort Jagd auf größere Beute gemacht, vermuten die Forscher.

Mit einem stolzen Alter von rund 16 Millionen Jahren ist das Fossil zudem der älteste Vertreter der Gattung Mystacina, den Wissenschaftler bisher entdeckten. Damit könnten die Neuseelandfledermäuse die Insel schon weitaus länger bewohnt haben als zunächst angenommen. Die ältesten Fledermausknochen, die Forscher zuvor auf Neuseeland gefunden hatten, ließen sich gerade einmal auf 17 500 Jahre zurückdatieren.