Vor 5,96 Millionen Jahren begann im Mittelmeer eine der gravierendsten Veränderungen, seit das Becken bestand: Tektonische Bewegungen im Erdmantel hatten dafür gesorgt, dass die Straße von Gibraltar abgeriegelt wurde und vom Atlantik kein Wasser mehr einströmen konnte. Nur noch Flüsse wie der Nil oder die Rhone versorgten das Gebiet, doch ihr Zustrom reichte nicht aus, um das Meer zu erhalten. Innerhalb weniger zehntausend Jahre trocknete die Region fast vollständig aus; in den tiefsten Becken lagerten sich dicke Salzpakete ab, Rhone und Co schnitten tiefe Canyons in den frei gelegten Meeresboden. Die Messinische Salinitätskrise hatte begonnen, und sie endete erst 600 000 Jahre später. Im gesamten Becken des Mittelmeers spielten sich damals dramatische Klimaveränderungen ab, und auch der Untergrund begann sich verstärkt zu regen, wie Pietro Sternai von der Universität Genf und sein Team in "Nature Geoscience" darlegen.

Als das Mittelmeer verschwand, wurde die Erdkruste von einem gewaltigen Gewicht entlastet – schließlich fasst das Becken ein Volumen von rund 4,6 Millionen Kubikkilometern. Dadurch nahm der Druck auf die darunterliegenden Schichten deutlich ab, was den Aufstieg von Magma aus dem Erdmantel erleichterte. Gleichzeitig schmolz dadurch auch mehr umliegendes Gestein auf, das sich einen Weg bis an die Erdoberfläche bahnte. Anhand der Altersdatierung von vulkanischem Gestein rund um das Mittelmeer konnten Sternai und Kollegen belegen, dass es während der Messinischen Salinitätskrise mindestens 13 größere Vulkanausbrüche in der Region gegeben haben muss. Das sind doppelt so viele wie eigentlich zu erwarten, wenn man den langjährigen Durchschnitt betrachtet, so die Wissenschaftler.

"Die Messinische Salinitätskrise ist dafür die einzige logische Erklärung", meint Sternai. Denn sie sei der einzige Faktor zu jener Zeit, der stark genug gewesen sei, um im gesamten Mittelmeerraum den geotektonischen Druck und die Magmaproduktion zu verändern. Ihre Daten speisten die Forscher zudem in ein Computermodell ein. "Die Simulation zeigt, dass die vulkanische Aktivität nur aus einem Grund so stark zunehmen konnte: Der Meeresspiegel muss um zwei Kilometer gesunken sein – und gleichermaßen nahm das aufliegende Gewicht ab", erklärt der Geowissenschaftler. Die gleichzeitig abgelagerten Salzpakete konnten diesen Verlust ebenso wenig ausgleichen wie durch die verstärkte Erosion an Land eingetragene Sedimente. "Ich überlasse es Ihrer Vorstellungskraft, wie die Landschaft damals ausgesehen haben muss."

In kleinerem Maßstab kenne man diesen Effekt beispielsweise aus Island, bestätigt Jean-Arthur Olive von der Columbia University in New York in einem begleitenden "News&Views" in "Nature Geoscience". Vor 10 000 bis 8000 Jahren schwand dort ein zwei Kilometer mächtiger Eispanzer bis auf die vergleichsweise kleinen Reste, die heute noch dort liegen. Gleichzeitig nahm die vulkanische Aktivität auf der ohnehin unruhigen Insel signifikant zu. Die Entlastung erleichterte das Aufsteigen von Magma.

Die Messinische Salinitätskrise endete schließlich, nachdem der anbrandende Atlantik die Felsbarriere in der Straße von Gibraltar zerstörte. Erst war es nur ein kleines Rinnsal, das durch eine Schwachstelle im Gestein sickerte, bis dieses schließlich dem Wasser vollständig nachgab. Auf dem Höhepunkt der Flut strömten 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 140 Kilometern pro Stunde von West nach Ost. Der Amazonas als mächtigster Fluss der Erde schüttet heute 1000-mal weniger in den Atlantik. Innerhalb von nur zwei Jahren war das Mittelmeer wieder randvoll.