Ende der 1970er Jahre kam Unruhe auf unter Forschern. Sie fürchteten, dass der Mensch mit seinen Aktivitäten mindestens lokal, wenn nicht gar global das Klima beeinflussen könnte. Zwar hatte es im Laufe der Erdgeschichte schon mehrfach starke Temperaturschwankungen gegeben, doch seit der Industriellen Revolution zeigten Messdaten einen ständigen Anstieg der Kohlendioxid-Konzentrationen – und dieses Treibhausgas, so die Schlussfolgerung, könnte dem Planeten in bislang unbekanntem Maße einheizen.

Doch die Daten und damit die wissenschaftliche Basis waren lückenhaft, die Prognosen für die Zukunft entsprechend unsicher. 1979 forderte daher die erste Weltklimakonferenz der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) eine "globale Kooperation, um die mögliche zukünftige Entwicklung des Klima zu untersuchen und das neue Wissen einzubringen in die Planung der Zukunft der Menschheit".

1985 luden das Umweltprogramm der Vereinten Nationen Unep, die Weltorganisation für Meteorologie und der Internationale Wissenschaftsrat ICSU zur Konferenz im österreichischen Villach – über die Rolle von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in Klimaänderungen und daraus resultierenden Folgen. Man kam zu dem Schluss, dass in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts ein globaler Temperaturanstieg auftreten könnte, der größer sei als jemals zuvor in menschlichen Lebzeiten. Eine Spezialistengruppe, die Advisory Group on Greenhouse Gases (AGGG) sollte regelmäßig den aktuellen Wissensstand hinsichtlich Klimawandels und seinen Konsequenzen erfassen.

1987 schließlich betonte der 10. Kongress der Weltorganisation für Meteorologie die Notwendigkeit für eine objektive, ausgewogene und international koordinierte wissenschaftliche Erfassung des Wissensstandes, wie sich die steigenden Treibhausgaskonzentrationen auf das Erdklima und die sozioökonomische Verhältnisse auswirkten. Die WMO und die Unep wurden aufgerufen, ein entsprechendes Gremium zu schaffen: Die Idee des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), auch als UN-Klimarat bezeichnet, war geboren.

Ein globales Problem braucht globale Zusammenarbeit

Gegründet 1988 und mit Sitz in Genf, soll der IPCC vor allem vier Punkte bearbeiten. Zunächst geht es darum, bestehende Unsicherheiten und Lücken im bisherigen Wissensstand rund um die Klimaveränderung aufzudecken und kurzfristig Pläne zu entwickeln, wie diese geklärt oder geschlossen werden können. Darüber hinaus soll der UN-Klimarat auch die notwendigen Informationen liefern, mit denen sich daraus resultierende politische Maßnahmen bewerten lassen, sowie bestehende und geplante politische Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Treibhauseffekt überprüfen. Und schließlich soll er alle wissenschaftlichen und Umweltaspekte des Prozesses erfassen und deren Weitergabe zusammen mit weiteren relevanten Informationen an Regierungen und zwischenstaatliche Organisationen sicherstellen – damit diese bei den Planungen zur wirtschaftlichen Entwicklung und Umweltprogrammen berücksichtigt werden.

Der IPCC betreibt also nicht selbst Forschung, sondern agiert als Sammel- und Beratungsinstitution. Dafür ist er in drei Arbeitsgruppen aufgeteilt. Die erste kümmert sich um die wissenschaftlichen Fakten rund um das Klimasystem und seine Veränderungen. Die zweite beschäftigt sich mit den Auswirkungen auf Natur und Mensch, und die dritte entwirft und bewertet mögliche Lösungsstrategien.

Von dieser Arbeit dringt heute vor allem eines an die Öffentlichkeit: die regelmäßigen Sachstandsberichte oder Assessment Reports, die jeweils nach Arbeitsgruppen in Teilen präsentiert werden. 1990 erfuhren wir so zum ersten Mal, dass die Temperaturen im 21. Jahrhundert um 0,3 Grad pro Jahrzehnt steigen könnten – allerdings noch mit einer Unsicherheit von 0,2 bis 0,5 Grad. Außerdem prognostizierte man einen Anstieg des Meeresspiegels um sechs Zentimeter pro Dekade, wiederum mit einer Unsicherheit von drei bis zehn Zentimeter. Die Modelle basierten damals noch auf "Business as usual", berücksichtigten also keine potenziellen Einsparmaßnahmen, und wiesen noch viele Lücken auf hinsichtlich Kohlenstoff-Senken, Einfluss von Wolken und Aerosolen, der Eiskappen und der Ozeane.

2007 erschien nun der vierte dieser Sachstandsberichte, begleitet von heftigen Diskussionen rund um politische Einflussnahmen auf den Endbericht. Auch gab es Kritik an den Medien, die bestehende und von den Wissenschaftlern ausdrücklich angeführte Unsicherheiten nicht ausreichend dargestellt hätten. Die Botschaft aber war klar: Der Mensch ist für den Klimawandel verantwortlich – die Wahrscheinlichkeit, dass die global gesammelten Anzeichen allesamt durch natürliche Schwankungen erklärbar wären, beträgt nur noch zehn Prozent. Und selbst im besten Fall – bei entsprechenden Gegenmaßnahmen und positiven Entwicklungen – ist bis zum Jahr 2100 mit einer Erwärmung von 1,1 bis 2,9 Grad Celsius zu rechnen, im schlimmsten sogar mit 2,4 bis 6,4 Grad Celsius.

Klare Worte an die Weltgemeinschaft

Diese klare Botschaft weiterzugeben, ist auch Anliegen Al Gores, der sich den Friedensnobelpreis mit dem IPCC teilt. 1948 in Washington geboren, arbeitete Gore nach dem College und Militärdienst und einem kurzen Aufenthalt an der Vanderbilt-Universität als Journalist für The Tennessean, eine Tageszeitung in Nashville. Nach fünf Jahren begann er ein Jurastudium, das er jedoch 1976 zu Gunsten einer politischen Karriere aufgab.

Al Gore
© Scanpix/Tom Hevezi
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Nach mehreren Jahren als Kongressabgeordneter für die Demokraten im Repräsentantenhaus wurde er zum Senator von Tennessee gewählt. Unter der Regierung Clintons von 1993 bis 2001 war Gore Vizepräsident. In diese Zeit fällt unter anderem das Kyoto-Protokoll, das von der US-Regierung zwar unterschrieben, doch nie ratifiziert wurde. Im Jahr 2000 war Gore selbst als Präsidentschaftskandidat angetreten, unterlag jedoch per eines umstrittenen Gerichtsentschluss knapp seinem Konkurrenten George W. Bush von den Republikanern. Eine weitere Kandidatur 2008 schließt er bislang aus, hartnäckig halten sich jedoch Gerüchte über eine mögliche Rückkehr in die Politik.

Umweltthemen fanden dabei schon zu Beginn seiner politischen Karriere sein Interesse. 1992 veröffentlichte er sein Buch "Earth in Balance: Ecology and the Human Spirit", zahlreiche Vorträge und Aktivitäten weltweit folgten. Mit "An Inconvenient Truth" (2006, "Eine unbequeme Wahrheit") gelangte sein Engagement gegen den Klimawandel mehr als je zuvor in das globale Rampenlicht. Der Dokumentarfilm von Regisseur Davis Guggenheim erhielt neben anderen Auszeichnungen im Jahr 2007 den Oscar für den besten Dokumentarfilm und für den besten Song. Zum 7. Juli 2007 hatte Gore zusammen mit Kevin Wall von Save Our Selves die weltumspannenden Benefizkonzerte Live Earth organisiert, bei denen die Auftritte der Musiker begleitet wurden von Aufrufen verschiedener Stars, sich umweltbewusster zu verhalten und gegen den Klimawandel zu engagieren.

Über die Verleihung des Friedensnobelpreises fühle er sich zutiefst geehrt, sagte Gore, insbesondere da er die Auszeichnung mit dem IPCC teile. "Wir stehen vor einem wahren globalen Notfall. Die Klimakrise ist keine politische Angelegenheit, sie ist eine moralische und geistige Herausforderung für jeden von uns. Sie ist aber auch unsere größte Chance, das globale Bewusstsein auf eine höhere Ebene zu heben." Sein Preisgeld wird er vollständig dem Bündnis für Klimaschutz spenden, einer überparteilichen gemeinnützigen Organisation, die in den USA und weltweit das Bewusstsein für die Dringlichkeit des Klimaproblems schärfen will.