"Die australische Regierung ist im Wesentlichen eine Ansammlung von Schafzüchtern, die sich kein bisschen um das Wohlergehen oder die Würde von Tieren scheren." Mit diesen deutlichen Worten kritisiert der britische Popsänger Morrissey in einem offenen Brief die Behörden des fünften Kontinents: Die staatliche Kommission zum Schutz bedrohter Arten plant, in den nächsten Jahren mindestens zwei Millionen verwilderte Hauskatzen zu töten – zum Schutz der heimischen Fauna, die unter anderem von den eingeschleppten Raubtieren bedroht wird. Zuvor hatte sich bereits die ehemalige französische Schauspielerin und heutige Tierschutzaktivistin Brigitte Bardot öffentlich dazu geäußert und den Plan als skandalös bezeichnet. Morrissey verglich die geplante Aktion mit dem Abschuss des Löwen Cecil, der im Juli illegal von einem Trophäenjäger in Simbabwe getötet worden war: Der Fall hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. "Die Katzen sind zwei Millionen Mal eine kleinere Ausgabe von Cecil, dem Löwen", so der Musiker.

Der Kommissionsleiter Gregory Andrews verteidigt hingegen den Plan: "Unsere Fauna ist schlicht nicht daran angepasst, mit verwilderten Hauskatzen zu leben. Während ihrer Evolution gab es derartige Raubtiere nicht", schreibt der Wissenschaftler ebenfalls in einem offenen Brief. Die Strategie sei mit großen australischen Naturschutzorganisationen abgestimmt und werde von diesen unterstützt. Katzen und andere eingeführte Arten wie Füchse gefährden das Überleben von mindestens 120 endemischen Spezies wie Kaninchennasenbeutlern, Beutelmardern oder kleinen Kängurus. Australienweit soll es mindestens 20 Millionen verwilderte Hauskatzen geben, die durchschnittlich fünf Kleintiere pro Tag erbeuten. Katzen gelten als einer der Hauptfaktoren für das Aussterben von 27 Tierarten in Australien während der letzten Jahrzehnte. Die Abschüsse sollen gezielt in Gebieten stattfinden, in denen zahlreiche Spezies durch die Nachstellungen als bedroht gelten.