In einem umfangreichen Selbstversuch hat Ian Walker, Verkehrspsychologe an der Universität Bath, herausgefunden, dass das Tragen eines Fahrradhelms die Gefahr eines Zusammenstoßes mit einem Auto, Bus oder LKW erhöht. Wie versteckte Aufnahmen mit Videokamera und Abstandsmesser bei über 2500 Überholvorgängen offenbarten, rückten dem behelmt radelnden Forscher die motorisierten Verkehrsteilnehmer im Schnitt 8,5 Zentimeter näher, als wenn er ohne Helm unterwegs war. Durchschnittlich 14 Zentimeter mehr Platz räumten ihm die Fahrer ein, wenn er sich einen Zopf ansteckte, um eine Radlerin zu simulieren.

Der Wissenschaftler hatte das Überholverhalten der anderen Verkehrsteilnehmern auf Straßen in Salisbury und Bristol getestet. In zwei Fällen wurde er dabei sogar angefahren, einmal von einem Bus, das andere Mal von einem LKW. Beide Male hatte er einen Helm getragen. In einer früheren Studie hatte er festgestellt, dass weiße Lieferwagen Radlern etwa zehn Zentimeter näher zu Leibe rücken als sonstige Autofahrer.

Verantwortlich für das engere Überholen könnte ein stereotypes Fahrradfahrerbild von Autofahrern sein, spekuliert Walker. So betrachteten viele die Fahrradfahrer als eine Art Subkultur innerhalb der Verkehrsteilnehmer, zu der man sich als PKW- oder LKW-Lenker nicht zugehörig fühle. Fahrradfahrer mit Helm würden als versiertere, erfahrenere und besser einzuschätzende Personen gesehen als Radler ohne Helm, denen man daher einen größeren Sicherheitsabstand einräume. Warum Frauen mit größerem Abstand überholt werden, bleibt Walker noch unklar. Es könne daran liegen, dass generell weniger Radlerinnen unterwegs seien, meint er, oder weil die Fahrer sie als schlechter einzuschätzen bewerten und ihnen beispielsweise eher plötzliche Schlenker zutrauen.

Inwieweit Helme Radfahrer tatsächlich schützen, ist unter Fachleuten durchaus umstritten. Einer Analyse der zwischen 1992 und 1994 in New South Wales getöteten oder schwer verletzten Radfahrern zufolge hilft ein Helm bei schweren Unfällen nicht unbedingt: Achtzig Prozent der Getöteten trugen Helme, was ziemlich genau dem Anteil der Helm tragenden Radfahrer entsprach. So erklärt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), dass gute Fahrradhelme zwar schon bei manchem Unfall schwere Kopfverletzungen verhindert haben, ein umfassender Lebensretter seien sie allerdings nicht. Da sie bei Stürzen langsam fahrender Radler jedoch Nutzen bringen, sind sie für Kinder auf jeden Fall empfehlenswert, so Walker. Im Jahr 2005 kamen in Deutschland 575 Radfahrer ums Leben – das sind knapp elf Prozent aller Verkehrstoten.