Mit Hilfe von 3-D-Ultraschall und einer Lichterprojektion haben Wissenschaftler gezeigt: Noch bevor der Mensch auf die Welt kommt, hat er eine Vorliebe für Gesichter. Das Team um Vincent Reid von der Lancaster University will mit seiner Untersuchung die Ansicht widerlegt haben, dass die Vorliebe für das menschliche Antlitz durch Prägungen in den ersten Lebensstunden oder -tagen gesteuert wird.

Kein Gesicht (links), Gesicht (rechts)
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Wie die Forscher in "Current Biology" schreiben, ist die Bauchdecke der Mutter zwar lichtdurchlässig, allerdings nicht gut genug, dass ein Fetus konkrete Dinge außerhalb erkennen könnte. Um die Reaktion der Ungeborenen zu überprüfen, griffen die Forscher darum zu einem Trick: Sie bewegten rote Lichtpunkte über den Bauch – rotes Licht durchdringt am ehesten die Schichten mütterlichen Gewebes – und beobachteten dann mit Hilfe des Ultraschalls, ob das Kind per Kopfdrehung die Projektion verfolgte oder nicht. Das taten die Ungeborenen in der Tat, bei fünf Versuchen im Schnitt einmal.

Allerdings taten sie das vor allem dann, wenn die Anordnung der drei Punkte einem menschlichen Gesicht entsprach, wenn sich also zwei Punkte an Stelle der Augen und einer an der Stelle des Munds befanden. Drehten die Forscher dieses Dreieck auf den Kopf, wies also die Spitze nach oben, stieß die Lichtershow auf nur mäßiges Interesse seitens der 20 getesteten Kinder. Sie blickten nur etwa halb so oft danach.

Die Untersuchungen machten Reid und Kollegen mit Frauen im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft. Dass man mit Lichtern das Interesse der Ungeborenen wecken kann, ist grundsätzlich schon länger bekannt. So rät man Schwangeren, deren Kind sich kurz vor der Geburt noch nicht in die richtige Lage gedreht hat, den Fetus mit einer Taschenlampe nach unten zu locken.