Sie überleben im Vakuum, völliges Austrocknen und jahrzehntelange Gefrornis – Bärtierchen sind also hart im Nehmen. Doch wie sie sich fortpflanzen, blieb lange rätselhaft und war nur grob verstanden. Beispielsweise war bekannt, dass manche Bärtierchenarten Zwitter sind und die Befruchtung der Eier außerhalb des Körpers stattfindet. Filmaufnahmen von Jana Bingemer vom Senckenberg Museum in Görlitz und ihrem Team zeigen jetzt detailliert, was bei der Paarung dieser einzigartigen Tiere vor sich geht. "Mit dieser Studie legen wir neue Einsichten in das Paarungsverhalten der bisexuellen Art Isohypsibius dastychi vor, das deutlich komplexer ist, als wir angenommen hatten", so die Biologen. Die Paarung umfasst dabei gegenseitiges Stimulieren, das der Samenejakulation vorausgeht.

Das Ganze beginnt damit, dass die weiblichen Tiere während einer der häufigen Häutungen ihre äußere Hülle abstoßen und darin dann ihre Eier ablegen. Dann nähern sich die Männchen und bringen sich in Position, was mehrere Minuten dauern kann. Sobald sie sich in der richtigen Lage befinden, stimulieren sich die Bärtierchen gegenseitig, bis die Männchen ihren Samen über eine Öffnung oberhalb des Anus in die abgestoßene Hauthülle ausscheiden. Das bestätigt, dass die Befruchtung außerhalb des Körpers stattfindet, auch wenn noch nicht ganz klar ist, wie die Spermien in der Hülle zu den Eiern gelangen. Findet keine erfolgreiche Verpackung statt, absorbieren die Weibchen ihre Eier wieder. Die Umgebungstemperatur während des Geschlechtsverkehrs bestimmt zudem maßgeblich darüber mit, wie schnell aus den Eiern letztlich ausgewachsene Bärtierchen werden.