Die 39. Besatzung der Internationalen Raumstation ISS hatte Anfang 2014 eine besondere Aufgabe zu erledigen: Keime sammeln für die Wissenschaft. Und so bewaffnete sich der Kommandant Koichi Wakata von der japanischen JAXA mit sterilen Baumwollläppchen und holte nach einem vom Boden aus vorgegebenen strengen Protokoll an 15 Stellen der Station Proben der ISS-Bakterienfauna. Auf der Erde analysierte dann später ein Team von Mikrobiomexperten um Jonathan Eisen diese Proben aus dem All und verglich sie mit dem, was man in einem irdischen Heim oder auf der Haut eines Durchschnittsastronauten finden kann. Am Ende zeigt sich: Die mikrobielle Gemeinschaft auf einer Raumstation unterscheidet sich nicht sehr, doch im Detail durchaus von der in einem Wohnzimmer, ist aber auch anders zusammengesetzt als die Bakterienfauna auf unserer Haut, berichten die Wissenschaftler im Journal "PeerJ".

Der Theorie nach sollten Keime in die Raumstation vor allem durch die Besatzung und die Sachlieferungen gelangen, um sich dann womöglich in unterschiedlichen Nischen unterschiedlich gut einzurichten. Das stimmt aber wohl nur bedingt: Tatsächlich fanden die Forscher bei der Analyse der bakteriellen Gensequenzen in den Proben Bakterienspuren – allerdings an allen Sammelstellen recht ähnliche. Die Bakterienfauna ähnelt dabei in ihrer Zusammensetzung eher einem typischen Gemisch, wie es auch in einem Durchschnittswohnzimmer auf der Erde zu finden ist. Die Wissenschaftler hatten solche Proben extra noch einmal von Freiwilligen in 40 Häusern sammeln lassen. Später verglichen sie dann etwa Proben von der Fußhalterung in der ISS mit Proben von Pantoffeln; oder Proben vom Sprechmikrofon mit denen auf einem Handy.

Zusammengefasst, so die Forscher, scheint die Bakteriengemeinschaft auf der Raumstation eine durchaus blühende Gemeinschaft zu sein, die sich nicht allzu sehr durch die äußeren Einschränkungen stören lässt. Auch die Artenzusammensetzung scheint gar nicht so besonders, obwohl sich eher mehr mit dem Habitat "Mensch" assoziierte Arten finden – wie etwa der häufigste Keim der Gattung Actinomycetales, einem auf der Haut und im Mund oft anzutreffenden Organismus. Weitere, möglichst zahlreiche neue Proben könnten hier deutlich genaueren Aufschluss bringen. Bis dahin lässt sich aber schon jetzt konstatierten: Durch die Brille eines Mikrobiomforschers ist die ISS eher ein typisches Wohnzimmer als ein Mensch.

Wissenschaftler hatten bereits in früheren Experimenten nach Bakterien auf Raumstationen wie der Mir oder sogar dem Skylab gesucht – auch etwa in den Luftfiltern der ISS –, sich dabei jedoch mehr auf mögliche Gesundheitsgefahren konzentriert. Die Aufnahme eines möglichst umfassenden ISS-Mikrobioms war bisher nicht angegangen worden. Tatsächlich gibt es in dieser Hinsicht trotz fortschrittlicher und hochsensibler Analysetechnik weiter Nachholbedarf: Von einigen besonders viel versprechenden Flächen konnten keine Proben gewonnen werden. So blieb für die Bakteriensammler der Zugang zum Küchenbereich im russischen Modul der ISS verwehrt, während die NASA die Beprobung der Toilettensitze zur vorsorglichen Vermeidung einer "biologischen Gefährdung" untersagte – und ohnehin darauf bestand, höchstens 15 Proben einzuholen. Auch auf der Außenseite der Station wurde nicht gesammelt, obwohl dort durchaus spannende Bewohner zu erwarten sind.