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Naturschutz

Bedrohen bluthungrige Mäuse ganze Seevögelpopulationen?

Wilde Hausmäuse könnten auf Inseln Seevogelarten an den Rand des Aussterbens bringen, befürchten Ross Wanless von der Universität Kapstadt und seine Kollegen. Auf der Atlantikinsel Gough war der Bruterfolg durch die Attacken der Nager auf Küken von Tristan-Albatrossen (Diomedea dabbenena) und Schlegelsturmvögel (Pterodroma incerta) auf teilweise weniger als 30 Prozent zurückgegangen. Inzwischen entdeckten die Forscher auch auf der Marion-Insel erste Küken des Wanderalbatrosses (Diomedea exulans), die an Mausbissen verendet waren.

Mäuse sind heute die einzigen verbliebenen eingeschleppten Säugetiere auf Gough, das sie bereits vor 1888 erreicht haben mussten. Im der Brutsaison 2000/2001 beobachteten die Wissenschaftler erstmals massive Einbrüche im Bruterfolg. Untersuchungen der Küken zeigten, dass die Tiere durch zahlreiche Bisse geschwächt waren und letztendlich nach teilweise erst mehreren Tagen daran starben. Vorher bereits kranke Küken wurden nicht angegriffen.

Mit Kameras konnten Wanless und seine Mitarbeiter aufnehmen, wie bis zu zehn Mäuse die Jungvögel attackierten; in einem Fall ließ sich sogar erkennen, wie sich die Nager durch die Körperwand des Opfers gefressen hatten und sich nun an den Organen gütlich taten (siehe Video unter "Medien"). Die Vögel, die das bis zu 300fache Gewicht aufweisen, zeigten selbst dabei keine Abwehrreaktionen – sie erkannten die neue Gefahr schlicht nicht, eine häufige Ursache dafür, dass eingeschleppte Tierarten das Überleben von Inselspezies gefährden.

Auf der Marion-Insel zeigte sich das Phänomen seit 2004. Hier sind Mäuse seit der Ausrottung der Katzen in den 1990er Jahren die einzigen nicht heimischen Säugetiere. Derartige Bissverletzungen waren seit zwanzig Jahren nicht mehr beobachtet worden. Die Wissenschaftler sehen außerdem den Grausturmvogel (Procellaria cinerea) und den Langflügel-Sturmtaucher (Pterodroma macroptera) in Gefahr, die dort ebenfalls winters brüten.

Die Forscher befürchten, dass bei der Ausrottung der Fressfeinde von Mäusen deren absonderlicher Bluthunger, den sie in nahrungsarmen Zeiten entwickeln, auch auf anderen Inseln die Vogelpopulationen gefährden könnte und womöglich verbreiteter ist als bisher angenommen. Entsprechende Maßnahmen, eingeschleppte Tiere aus den Ökosystemen wieder zu entfernen, müssten sich daher dringend auch der Mäuse annehmen. Da diese bisher nicht als Gefahr für die Vogelwelt galten, wurden sie bei solchen Anstrengungen kaum berücksichtigt. (af)
04.04.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 04.04.2007

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