Bestäubende Insekten wie wilde Bienen und Hummeln begannen in Großbritannien schon Mitte des 19. Jahrhunderts zu verschwinden – etwa ein halbes Jahrhundert früher als bisher vermutet. Schuld daran war vermutlich der zunehmende Düngerverbrauch in Form von Guano aus Südamerika. Zusätzlich wechselten die Feldfrüchte seltener. Das steht im Widerspruch zur bisherigen Ansicht, dass erst die intensive Technisierung der Landwirtschaft Mitte des 20. Jahrhundert viele bestäubende Insekten ausgerottet habe. Auch der Hauptteil des Aussterbens begann demnach schon etwa 1920 – und nicht erst mit der Intensivierung der Landwirtschaft im 2. Weltkrieg, die als Hauptursache der zurückgehenden Biodiversität galt.

Das Forscherteam um Jeff Ollerton wertete eine halbe Million historischer Datensätze aus, die die britische Bees Wasps & Ants Recording Society im Laufe ihrer Geschichte zusammengetragen hat. Demnach starb bereits zu Beginn der 1850er Jahre die erste Art aus. Den Höhepunkt erreichten die Verluste zwischen 1930 und 1960, als insgesamt 11 Arten ausstarben. Danach allerdings gingen die Verluste deutlich zurück, entweder weil die Schutzbemühungen griffen oder möglicherweise, weil alle verwundbaren Arten bereits ausgestorben waren. Wildinsekten bestäuben viele wichtige Kulturpflanzen und sind für die Landwirtschaft unverzichtbar.